Ein Tourismuskonzept für Freiburg

Zum Thema „Tourismuskonzept“ (TOP 9) hat Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL) für die Fraktion FL/FF am 20. Februar 2018 im Gemeinderat folgende Rede gehalten. Krawczyk bittet darin, „bei all der Goldgräberstimmung im Tourismus und der Entwicklung neuer Baugebiete, die alteingesessene Bevölkerung von Freiburg und die interessierten Beteiligten aus Gastronomie, Hotellerie, Handel und Handwerk nicht zu vergessen.“ Dennoch halten er und seine Fraktion ein Tourismuskonzept grundsätzlich für“wertvoll“ und für den „richtigen Weg“.

Hier die Rede im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir sprechen heute über eine wichtige Drucksache, insbesondere auch was das beigefügte Tourismuskonzept betrifft. Schade, dass wir als kleine Fraktion bisher nicht in den Genuss der Mitarbeit im Tourismusbeirat gekommen sind. Das Tourismuskonzept liest sich wie die Speisenfolge eines Mehrgangmenüs im Colombi.

Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

Das Thema ist die „Smart Green City Freiburg“. Zum amuse gueule (Appetitanreger) gibt es eine gelebte Kultur der Nachhaltigkeit, gefolgt von etwas entschleunigter Gesundzeit an einem Sehnsuchtsort, der warm ums Herz macht. Beim Nachtisch kommt man dann in den Genuss der umgebenden therapeutischen Landschaften. Um den Genuss noch etwas feiner abzurunden, hätte ich mir fast gewünscht, wir hätten in der Vorlage noch etwas zum Kapern, Säumen oder Stilllegen gefunden.

Aber legen wir mal die Brille der Marketingberater ab und schauen uns unsere Smart Green City Freiburg etwas genauer an:

Smart ist eigentlich nur die moderne Gebäudetechnik und von Green kann man eigentlich auch nicht sprechen, wenn man ständig hunderte von Bäumen platt macht. Nachhaltig trifft leider auch nicht auf so manches, allzu schnell gebautes Gebäude in Freiburg zu. Aber immerhin kommt man immer öfter mal in den Genuss entschleunigter Zeit, wenn man in Freiburg im Stau steht. Das Auto kann ich dann aber beim besten Willen nicht wirklich als Sehnsuchtsort empfinden, der warm ums Herz macht.

Tatsächlich betrachtet unsere Fraktion die Entwicklung von Freiburg durchaus auch kritisch und mit Sorge. Ob die explosionsartige Expansion von Hotel- und Bürogebäuden gut und nachhaltig ist, darf zumindest hinterfragt werden. Dennoch, ein Tourismuskonzept ist wertvoll und der richtige Weg. Es ist gut und wichtig, dass die FWTM nun beauftragt wird, eine mit dem Tourismusbeirat und den städtischen Ämtern und Fachausschüssen abgestimmte Priorisierung und Umsetzungsplanung der Maßnahmen für die Jahre 2018 bis 2020 vorzulegen.

Wir bitten aber bei all der Goldgräberstimmung im Tourismus und der Entwicklung neuer Baugebiete, die alteingesessene Bevölkerung von Freiburg und die interessierten Beteiligten aus Gastronomie, Hotellerie, Handel und Handwerk nicht zu vergessen. Nur wenn alle erfolgreich an einem Strang ziehen, kann Freiburg nicht nur besuchenswert sondern auch lebenswert bleiben.

Unsere Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg wird der Vorlage zustimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Freiburg ist dank seiner historischen Altstadt, aber auch dank seiner alten Bausubstanz und dank seines Flair beliebt. Dies bleibt aber nur so, wenn dieses Stadtbild erhalten bleibt und nicht immer weiter die alte Bausubstanz durch Abrisse zerstört wird. Kein Tourist kommt nach Freiburg, um triste Betonburgen wie die sogenannten „Westarkaden“ zu bewundern.

Freiburg ist dank seines historischen Stadtbilds beliebt. (Foto: M. Managò)

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden