Dietenbach ist für neuen Stadtteil ungeeignet

Da der Grundwasserstand in Freiburg sich verändert, hat das städtische Umweltschutzamt einen neuen Plan mit aktuellen Daten zum „mittleren Grundwasserhochstand“ erarbeitet. Dieser ist beim Bauen wichtig, denn die Keller von Gebäuden dürfen nicht in den Bereich des Grundwassers hineinragen. Trotz dieser Kenntnis, wird aber im Hochwassergebiet Dietenbach ein ganzer Stadtteil geplant.

Die Badische Zeitung (BZ) schriebt dazu in ihrer Ausgabe vom 25. April 2018: „Gebäudeeigentümer im Stadtteil Landwasser können ein Lied davon singen, was passiert, wenn Häuser im Grundwasser stehen. Seit Jahren kämpft eine Initiative betroffener Anwohner gegen feuchte Keller, die durch einen steigenden Grundwasserspiegel entstanden sind.“ Zitiert wird in der BZ Thomas Weber vom Umweltschutzamt, der zu Dietenbach sagt: In diesem Bereich befinde sich das Grundwasser relativ dicht unter der Oberfläche. „Um dort Keller bauen zu können, muss das Gelände im Durchschnitt um einen Meter aufgeschüttet werden“, erklärte Thomas Weber.

Generell sei der Abstand zum Grundwasser im Westen mit ein bis zwei Metern am geringsten. Die Stadt hat nun den MWW-Plan (mittlerer Hochwasserstand Grundwasser) aktualisiert. Dabei wurden auch die Daten für die Fläche des geplanten Stadtteils Dietenbach erstmalig erfasst.

Hochwasser auf dem Dietenbach-Gelände

Im Dietenbach steht das Wasser besonders hoch und steigt offenbar. Unser Experte, Dr. Dieter Kroll, der sich beruflich im Regierungspräsidium über einen langen Zeitraum mit derartigen städtebaulichen Problemen beschäftigte, hat deshalb einen Appell an die Stadträte der Stadt Freiburg verfasst, den neuen Stadtteil in diesem Gebiet anzulehnen. Gerne veröffentlichen wir hier seinen Weckruf an den Freiburger Gemeinderat:

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

der Grundwasserstand in Freiburg ändert sich, er steigt ständig an. Die Gewannnamen „Landwasser“ und „Dietenbach“ lassen sicherlich nicht auf Trockenrasen schließen. Weite Teile des für eine Siedlungsentwicklung vorgesehenen Gebietes der Dietenbachniederung liegen ausweislich der aktuellen Hochwassergefahrenkarten des Landes Baden-Württemberg im Überschwemmungsgebiet eines hundert-jährigen sowie in Teilen eines zehnjährigen Hochwasserereignisses (HQ 100 bzw. HQ 10) und damit in einer formalen Bauverbotszone gem. WasserHaushaltsGesetz (WHG). Und was macht die Stadtverwaltung? Dietenbach bleibt als neuer Stadtteil die Wahl Nr. 1.

Wir haben heute und in Zukunft immer mehr heftige und ergiebige Platzregen zu erwarten und diese lassen sich nicht örtlich per Verwaltungsvorschrift zum „Hochwasserschutzdamm Horben“ delegieren. Sie werden vielmehr im gesamten Stadtgebiet niedergehen können. Aus diesem Grunde sind Retentionsflächen wie die Dietenbachniederung als Wasseraufnahmegebiete lebenswichtig und als Sicherung anderer Stadtbereiche vor Überschwemmungen erforderlich.

In dem Gewann Dietenbach haben wir einen sehr hohen Grundwasserstand, nämlich ein bis zwei Meter unter der Geländeoberfläche – so jedenfalls das Umweltschutzamt (UWA) der Stadt Freiburg. Und weiter: Um dort Keller bauen zu können müsse man das Gelände durchschnittlich um einen Meter aufschütten. Vermutlich aber mehr, wenn man nicht ins (ständig) fließende Grundwasser bauen will und damit zu einem Rückstau des Grundwasserflusses beiträgt. Ein solcher Rückstau führt wiederum zu einer Erhöhung des Grundwasserstandes, was alles im allem eine sehr heikle Situation darstellt.

Hinzu kommt, dass der „Zubringer Mitte“ – morgen Autobahn – schon jetzt die Randbebauung des Rieselfeldes beschallt. Umso mehr würde dies eine Bebauung „Dietenbach“ betreffen.

Und noch etwas muss man wissen: Einen Stadtteil errichtet man nicht auf Zeit sondern für Generationen, denen gegenüber man Verantwortung tragen sollte. Unter diesem Gesichtspunkt muss der Stadtteil Dietenbach abgelehnt werden.

Dies schreibt mit herzlichen Grüßen

Dr.-Ing. Dieter Kroll

Siehe auch https://freiburg-lebenswert.de/quo-vadis-freiburg

Siehe in der BZ: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/umweltschutzamt-legt-neuen-plan-fuer-schwankenden-grundwasserstand-vor–151913050.html

Luftbild des Dietenbach-Gelände (Foto: W.-D. Winkler). Hier sollen die letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs überbaut werden.

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)