Die zweite Zerstörung unserer Städte nach ’45

ARD-Sendung “Bomben und Bausünden”

“Der Zweite Weltkrieg hat die deutschen Städte verwüstet, doch Experten meinen, dass der Wiederaufbau mehr Bausubstanz vernichtet hat als der verheerende Bombenkrieg. Wie konnte das passieren? Deutsche Architekten um Rüstungsminister Albert Speer hatten schon vor 1945 Wiederaufbaupläne in der Schublade. Von allem Nazi-Pomp entschlackt, kamen sie nach dem Krieg zum Einsatz. Ihre Vorbilder hatten sie dabei in den Prinzipien des modernen Städtebaus der 1920er Jahre. Die fortschrittliche Stadt sollte von Licht und Luft durchflutet sein; breite Straßen sollten sich durch die autogerechte Stadtlandschaft ziehen. Dieser Vision wurden oft die Reste der historischen Innenstädte geopfert.”

So beschreibt die ARD den Inhalt einer 2-teiligen Dokumentation, die wir sehr empfehlen möchten: Das Erste zeigt die zweiteilige Radio-Bremen-Dokumentation “Unsere Städte nach ´45” am Montag, 6. Februar 2017, um 23:30 Uhr (Teil 1: Bomben und Bausünden) und am Montag, 13. Februar 2017, um 23:30 Uhr (Teil 2: Abriss und Protest). Sehr sehenswert!

Mehr bei: www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/unsere-staedte-nach-45-folge-1-100.html

oder bei Facebook: https://www.facebook.com/ZweiteZerstoerung/

Hier der 1. Teil in der Mediathek:  “Bomben und Bausünden”.

Und hier der 2. Teil“Abriss und Protest”.

Der Dokumentation nennt das “die zweite Zerstörung” unserer Städte. Leider war dies auch in Freiburg der Fall. Aber hier setzt sich die Zerstörung alter Bausubstanz bis heute fort. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten, in denen längst ein Umdenken stattgefunden hat und heute alte Bausubstanz erhalten oder gar rekonstruiert wird wie in Frankfurt, Potsdam oder Berlin.

 “Die Leitlinien der modernen Stadt, die autogerechte Stadtlandschaft mit den weitläufigen Hochhaussiedlungen auf der grünen Wiese, stießen jedoch zunehmend auf Widerstand. Architekten und Planer hatten in den 1950er Jahren eine moderne, schöne, neue Welt versprochen, doch die Versprechungen konnten in den 1960ern an der Wirklichkeit gemessen werden. Und die war, oft genug, öd und trist. Ausgerechnet die Jungen rebellierten gegen die moderne Stadt. Sie lehnten die Trabantenstädte auf der grünen Wiese ab und besetzten die historischen Stadtquartiere in der Innenstadt.” So der Text zur Fortsetzung der ARD-Sendung.

 “Der zweite Teil der zweiteiligen Radio-Bremen-Dokumentation über Deutschlands Wiederaufbau beschäftigt sich mit diesem Protest der Stadtbewohner und zeigt von Hamburg über Köln, Bochum, Hannover, München, Erfurt oder Regensburg, wo sie Schlimmeres verhüten konnten und wo sie scheiterten. Und er zeigt auch, wie beispielsweise Frankfurt in letzter Konsequenz den Wiederaufbau der Nachkriegszeit geradezu rückgängig macht.”

Das Haus in der Wintererstraße 28 stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch mit fadenscheinigen Beründungen abgerissen!

Abrisse und scheußliche Neubauten an der Habsburgerstraße: Das Hotel One und das FIZZ (Foto: M. Managò)