Chaos bei Ersatz- und AusgleichsflÀchen

Zum Thema „ErsatzflĂ€chen Deutsche Bahn“  (TOP 9, Drucksache G-18/244) hat Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Dr. Wolf-Dieter Winkler in der Sitzung des Gemeinderats am 13. November 2018 fĂŒr die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / FĂŒr Freiburg (FL/FF) folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr OberbĂŒrgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich will unsere Ablehnung dieser Drucksache begrĂŒnden und dazu zunĂ€chst den Inhalt der Vorlage mal zusammenfassen: Die Deutsche Bahn plant neben der A5 ihr 3. und 4. Gleis. Dazu muss Wald gerodet werden. Als Ersatz hat die DB acht GrundstĂŒcke im Schildkrötenkopf von Dietenbach und ein GrundstĂŒck bei Hochdorf. Diese neun GrundstĂŒcke will die Bahn aufforsten. Das geht aber nicht. Denn die acht GrundstĂŒcke bei Dietenbach werden fĂŒr die StĂ€dtebauliche Entwicklungsmaßnahme Dietenbach benötigt – von der man ĂŒbrigens noch gar nicht weiß, ob sie kommt. Und die eine FlĂ€che bei Hochdorf ist bereits als eine der natĂŒrlichen AusgleichsflĂ€chen fĂŒr das SC-Stadion verplant.

Die Stadt hat aber so gut wie keine FlĂ€chen mehr fĂŒr eine Aufforstung zur VerfĂŒgung. Also greift man auf FlĂ€chen bei Jechtingen zurĂŒck, die der Gemeinde Sasbach gehören. Vermutlich sind das landwirtschaftlich genutzte FlĂ€chen, die man Landwirten entzieht. Aber Sasbach kann die damit verbundenen Ökopunkte nicht fĂŒr sich reklamieren, weil die wiederum die Bahn selber benötigt. Also ĂŒbergibt Freiburg Sasbach die anfallenden Ökopunkte. Weil die FlĂ€chen bei Sasbach aber nicht ausreichen, stellt die Stadt bei der ZĂ€hringer Neumatte zusĂ€tzlich verpachtete landwirtschaftliche FlĂ€che fĂŒr die Aufforstung bereit. Aber dann doch nicht die gesamte FlĂ€che, weil die Stadt fĂŒr den Erweiterungsbau des Waldhauses ebenfalls noch forstrechtliche AusgleichsflĂ€che benötigt. Und wieder einmal hat ein Landwirt bei der ganzen Aktion das Nachsehen.

Meine Damen und Herren, das ist ein völlig chaotischer Verschiebebahnhof von ErsatzflĂ€chen, AusgleichsflĂ€chen und Ökopunkten. Das Ganze zeugt von einer erschreckenden Konzeptlosigkeit oder noch treffender: Hilflosigkeit. Dass AusgleichsflĂ€chen nahe bei der FlĂ€che liegen sollten, die dem natĂŒrlichen Zustand entzogen werden soll, wird zunehmend ignoriert.

Man darf gespannt sein, wann uns die ersten Ersatz- und AusgleichsflĂ€chen im Elsass oder auf der schwĂ€bischen Alb zur Abstimmung vorgelegt werden. Da alle diese Maßnahmen wie schon bei Dietenbach wiederum letztlich zu Lasten von Landwirten gehen und zudem bereits den Bau eines Stadtteils Dietenbach implizieren, werden wir der Vorlage nicht zustimmen.

Luftbild des Dietenbach-GelĂ€nde (Foto: W.-D. Winkler). Hier sollen die letzten landwirtschaftlichen FlĂ€chen Freiburgs ĂŒberbaut werden.