Anfrage zu Fällungen an der Waldseestraße

Wieder einmal wurden in großem Stil Bäume gefällt, diesmal an der Waldseestraße. Zu dieser Fällaktion hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 3.3.2026 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

In Oberwiehre-Waldsee herrscht ziemlicher Unmut über die Fällaktionen des Forstamtes oberhalb der Waldseestraße im Bereich zwischen dem Minigolfplatz am Bahnübergang und dem Deichelweiher. Ich habe mir die Situation vor Ort angeschaut und auch ich fand die Abholz-Aktion übertrieben. Es ist vielen Menschen nicht begreiflich, wieso ausgerechnet bei einem beliebten Spazierweg ein so erheblicher Kahlschlag vorgenommen wird. Schon 1980, die Grünen waren gerade gegründet worden und ich leitete ihren AK Umwelt in Freiburg, war unsere erste Beschäftigung ein Kahlschlag rund um den Deichelweiher, der ja eigentlich aus einem oberen und einem unteren Deichelweiher besteht. Damals war sämtliches Unterholz um die beiden Weiher entfernt worden. Es dauerte Jahre, bis alles wieder nachgewachsen war. Viele Spaziergänger waren entsetzt ob dieser sinnlosen Zerstörung. Offensichtlich hat man in den letzten 45 Jahren bei der Stadtverwaltung nichts dazugelernt, da immer wieder solche Aktionen stattfinden. Und das, obwohl doch allen klar ist, dass diese Unsensibilitäten zwangsläufig Proteste der Stadtgesellschaft hervorrufen.

Es ist auch mir nicht zu vermitteln, dass an der Waldseestraße nicht nur fast alle großkronigen Bäume gefällt wurden, sondern auch hier wieder die Büsche auf den Stock gesetzt wurden, also radikal über dem Boden zurückgeschnitten wurden. Gerade in Zeiten des Klimawandels sollten doch Spazierwege nicht weitgehend baumlos der Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Ich will nicht weiter im Einzelnen auf die vorgetragenen Vorwürfe eingehen. Ich hänge stattdessen im Folgenden eine Mail an, die uns dazu erreicht hat und in der einige Kritikpunkte angesprochen werden. Meine Fragen finden Sie am Ende des Schreibens.

Sehr geehrte Damen und Herren von Freiburg Lebenswert und Nabu Freiburg,

ich schreibe Ihnen, da ich Sie auf die massiven Rodungen entlang der Waldseestraße aufmerksam machen wollte. Mit großem Entsetzen und Trauer haben viele Anwohner des Quartiers Oberwiehre/Waldsee mit zuschauen müssen wie ca. 150 alte Roteichen entlang der Waldseestraße ab dem Minigolfplatz Richtung Wiehre gefällt wurden. Laut Forstamt handelte es sich um eine „Durchforstung“ und Wegesicherung der Waldseestraße und der Bahnstrecke, außerdem sei ein Förster auf der Waldseestraße von einem Baum erschlagen worden (so wurde es von höchster Stelle des Forstamts unrichtig im Telefonat als Argument angeführt).

In den letzten 7 Jahren in denen ich dieses Areal besuche und darauf blicke sind bei Stürmen 2-3 Bäume gestürzt. Diese sind soweit ich es mitbekommen habe nicht einfach so umgefallen, sondern eben im Sturm. Keiner hat, soweit ich es weiß, die Waldseestraße getroffen, sie sind im Wald gelandet. Außerdem wurde einmal die Oberleitung getroffen, allerdings sicher nicht von Bäumen oberhalb der Waldseestraße. In dem Bereich wo die massivsten Rodungen vorgenommen wurden liegt bis zur Bahnlinie nicht nur die Straße sondern auch noch ein Tennisplatz.

Das Ergebnis der Maßnahme ist verheerend. Einer der schönsten Waldwege der Oberwiehre wurde zerstört. Er ging ab dem Gefallenendenkmal, in Richtung Deichelweiher. Er war deshalb so einmalig, da er ohne Steigung am Hang mäanderte und im Sommer vollständig im Schatten der Bäume lag. Nun sind dort in einigen Bereichen alle Bäume entfernt worden, wie vom Forstamt bestätigt nicht weil sie krank waren. Nein, es handele sich hierbei um eine besonders klimawandelresistente Art und man müsse nun um die verbleibenden Bäume bangen ob diese nicht stürzen, da sie nun viel windanfälliger sind. In einigen Bereichen ist es ein regelrechter Kahlschlag, es wurden hier auch keine jungen Bäume oder Sträucher stehen gelassen. Es ist ein Bild der Verwüstung, anders kann man es nicht sagen.

Wenn wir alle Bäume entlang der Waldseestraße fällen würden, die potentiell die Straße bei einem Sturz im Sturm erreichen könnten (und zwar laut Forstamt um 2 Baumlängen), dann wäre in dem Bereich nicht mehr viel Wald übrig. Die Aussage über das Unglück mit dem Förster, die an einer anderen Stelle, nämlich im Möslepark bei einem plötzlich aufziehenden Unwetter, stattgefunden hat ist besonders beschämend, da hier offenbar wissend Fakten falsch als Argumente für die Rodungen herangezogen werden. Dass man so offensichtlich die Unwahrheit verbreitet zeigt mir, dass es offenbar nicht ausreichend gute Argumente für eine derart überzogene Maßnahme gibt.

Es bleibt ein zerstörter Wald, der sich auf Jahrzehnte nicht erholen wird, insbesondere deshalb nicht, da es sich um einen Nordhang handelt. Selbst einer der durchführenden Forstmitarbeiter hatte im Gespräch großes Verständnis geäußert und gemeint, er sei sich nicht sicher ob man das so hätte machen müssen. Vielleicht hätte man schonender vorgehen können oder auch alternative Sicherungen durchführen können. Letztlich ging es vielleicht auch in eigentlicher Sache um eine Holzernte, aber eben unter Vernachlässigung der anderen Funktionen des stadtnahen Waldes zur Regeneration, Luftverbesserung, Kühlung etc.

In einer Zeit in der wir mit extrem heißen Sommern zu kämpfen zu haben, einen so wunderbaren, quartiersnahen, ebenen Waldweg zu zerstören ist unfassbar traurig und bedarf einer Aufarbeitung. Die seit 66 Jahren dort ansässige Betreiberin des Minigolfplatzes bestätigte mir, „es war ein hoch frequentierter Weg“. Aber die Forstamtsleitung hat es so gesagt, die Menschen hätten oft Probleme mit Veränderungen. Ich stehe dazu, dieser Weg, der zu meinem Lebensraum gehört hat, ist für die nächsten Jahrzehnte ruiniert und ich finde das Bild und der Spruch des Wallgrabentheaters zur Spielzeit 2025/26 hätte es nicht besser treffen können:

(An dieser Stelle war das Bild platziert, das einen Jungen zeigt, der mit Taucherbrille den Ast ab-
sägt, auf dem er sitzt, zu dem Wallgrabentheaterstück …denn sie wissen nicht, was sie tun…)

Laut Forstamt stehen wohl weitere „Veränderungen“ rund um den Minigolfplatz an. Es klingt unheilvoll. Vielleicht will man dort das nächste Kleinod der Stadt schlachten und die Bäume desM inigolfplatzes entfernen, die den Spielern in der Saison den so notwendigen Schatten spenden. Die Stadt hat nun mit den Rodungen in diesem Bereich zum 2. Mal geglänzt, denn die vor 5 Jahren noch betriebenen Tennisplätze hat man der Betreiberin entzogen und sie rotten nun vor sich hin, ein weiteres Kleinod was nicht mehr zur Verfügung steht.

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, insbesondere wie man mit dieser Lage nun umgehen soll. Ich habe mehrfach vergeblich versucht zum OB Horn Kontakt aufzubauen um ins Gespräch zu kommen.

Hier nun meine Fragen dazu:

1) Dienten die Baumfällungen einzig der Wegesicherung?
2) Waren die Bäume geschwächt, dass sie eine Gefahr darstellten?
3) Kann es sein, dass man bei der Forst- und Stadtverwaltung der Sicherheit durch möglicherweise umstürzende Bäume eine viel zu große Bedeutung beimisst im Vergleich zu den Vorteilen großkroniger Bäume wie Artenlebensraum, CO2-Bindung, Schattenspendung usw.?
4) Oder wollte man die eigentlich klimastabileren Roteichen gezielt entnehmen, da sie invasiv und ökologisch nicht so wertvoll sind?
5) Wieso wurden auch die Sträucher auf den Stock gesetzt?
6) Aus welchen Waldbereichen stammen die Stämme sehr großer Bäume, wohl in erster Linie Douglasien, die zuhauf an den Gleisanlagen beim Wiehrebahnhof gelagert sind und wohin werden sie verkauft?
7) Ich werde, wie auch hier, leider immer wieder mit verärgerten Hinweisen konfrontiert, dass Sie, Herr Oberbürgermeister, sich Gesprächen zu Problemen „verweigern“. Und dass sich auch niemand aus Ihrem großzügig mit Personal ausgestatteten Referat bei den Menschen meldet. Wo ist Ihr Anspruch geblieben, dass Sie auf die Bürger zugehen und sie anhören wollten, dass Sie ein Oberbürgermeister für alle sein wollten?

Vielen Dank für die zeitnahe schriftliche Beantwortung meiner Fragen. Vielleicht kann man in der Antwort auch auf einige der in der Mail geäußerten Kritikpunkte eingehen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)

Fast der komplette Hang wurde kahlgeschoren…