Nach Metzgergrün droht nun Abriss in der August-Ganther-Straße
In der Baupolitik wechseln sich Euphorie und Tristesse derzeit ab. Tristesse darüber, dass der Bauturbo einfach nicht recht zünden will. So wurden 2025 in Deutschland nur 206.600 Wohnungen gebaut, 18 % weniger als im Vorjahr, der niedrigste Wert seit über 10 Jahren. Bauministerin Hubertz spricht demgemäß von „schlechten Zahlen“. Das schreit nach Aktionismus. Dieser fand statt in Form von neuen Baugesetzen, die dann auch sogleich euphorisch gefeiert wurden: Wohnungsbau hat stets Vorrang vor anderen politischen Zielen wie Denkmal- und Umweltschutz. Projekte sollen beschleunigt werden. Damit es damit klappt, soll die Umweltprüfung schneller vonstattengehen.
Doch nicht nur für Freiburg Lebenswert, sondern auch für diverse Umweltverbände ist genau das die eigentlich schlechte Nachricht: Schneller bauen, Umweltauflagen einschränken, den Flächenverbrauch weiter anheizen und – so lehrt uns die Erfahrung der letzten Jahrzehnte – damit keinen bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Bedauerlich genug, dass der Klimawandel derzeit nicht den Stellenwert einnimmt, der ihm gebührt (vom Artensterben ganz zu schweigen). Selbst in der kurzen Zeit, in der das Thema hoch im Kurs stand, wurde der Klimawandel nie in der Gesamtheit gedacht. Viel Aufmerksamkeit wurde in die Energiewende gesteckt, völlig zurecht. Die größten Problemsektoren Gebäude und Verkehr emittierten jedoch weiter fleißig CO2, ohne dass die Politik größere Veränderungen vornahm.
Ein paar Zahlen sollen dies verdeutlichen: Die Baubranche und der Gebäudesektor ist verantwortlich für
- 40 % des weltweiten CO2-Ausstoßes
- 50 % des weltweiten Ressourcenverbrauchs
- 11 % der weltweiten Treibhaussemission bei der Herstellung von Baumaterialien
- 54 % aller Abfälle in Deutschland
- 60 % aller weltweiten Transporte
Demgemäß bietet die Baupolitik großes Einspaarpotezial: Leerstand nutzen, Sanieren statt Abriss, um nur einige Punkte zu nennen. Wer bezahlbaren Wohnraum schaffen möchte, sollte zu allererst den vorhandenen bezahlbaren Wohnraum erhalten und nicht durch Abriss und Neubau den Klimawandel durch Unmengen an Grauer Energie anheizen. In Freiburg hat dieses Vorgehen leider ebenfalls Tradition, eine Änderung ist nicht in Sicht. Im Metzgergrün sind die Abrissarbeiten gerade voll im Gange. Und in der August-Ganther-Straße im Stadtteil Waldsee droht der nächste Abriss intakter Wohnungen. Eigentümerin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die gerne mal hauseigene Immobilien abreißt und sich in Bezug auf Alternativen mitunter als völlig beratungsresistent erweist.
Dabei wäre die BImA gut beraten, die Gebäude in der August-Ganther-Straße zu erhalten. Eine Sanierung statt Abriss und Neubau würde nicht nur 710 Tonnen CO2-Eimissionen einsparen, auch finanziell wäre die Sanierung ein Gewinn: Bei Erzeugung einer Wohnfläche von 2500 qm läge die Sanierung bei 2800 Euro pro Quadratmeter, ein Neubau käme hingegen auf 5000 Euro pro Quadratmeter.
Vielleicht sollten sich Bundesregierung, Freiburger Baudezernat und Gemeinderat und auch die BImA mal ein Beispiel an unseren nördlichen Nachbarn nehmen. Gemäß dem dänischen Gebäude-CO2-Gesetz wäre dort der Abriss und Neubau der August-Ganther-Straße (und selbstverständlich auch des Metzgergrüns) verboten. Probleme des Klimaschutzes, wie auch des Wohnungsbaus lassen sich auch sinnvoller lösen. Dänemark zeigt wie es geht.

Siehe unseren Beitrag im Amtsblatt vom 13.6.2026, Seite 3 unten.