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Wenn der Abrissbagger kommt…

Das denkmalgeschützte historische Ratsstüble war angeblich nicht mehr zu retten und wurde 2016 abgerissen (Foto: K. U. Müller).

Wenn historische Gebäude abgerissen werden, ist die Bestürzung in der Öffentlichkeit oft groß. In Freiburg passiert dies wahrlich nicht selten. So wurden in der Nachkriegszeit und leider verstärkt in den letzten Jahren etliche stadtbildprägende Gebäude zum Abriss freigegeben. Häufig geht es um Gebäude, die nicht dem Denkmalschutz unterliegen, aber dennoch Charme, Identität und Geschichte eines Quartiers repräsentieren und daher schützenswert sind. Doch auch der Denkmalschutz kann den Abriss historischer Gebäude keineswegs zuverlässig verhindern. Zu einfach sind die Möglichkeiten, diesen auszuhebeln, zu gering das Interesse bei den Verantwortlichen der Stadt Freiburg, Kulturdenkmale zu erhalten. In aller Regel werden die abgerissenen Gebäude dann durch fade und einfallslose Neubaukuben ersetzt. Ein Straßenzug kann auf diese Weise komplett entwertet werden, unsere Städte – leider auch Freiburg – werden immer gesichtsloser.

Lorettostraße 14. Trotz historischem Wert 2018 abgerissen (Foto: K. U. Müller).

Dass dabei nicht einmal vor baulich intakten Vierteln Halt gemacht wird, ist besonders bedauerlich. So musste der Stadtteil Wiehre in den letzten Jahren den Verlust etlicher historischer Gebäude beklagen, von Juli 2017 bis Juli 2018 wurden sogar sage und schreibe fünf (!) Altbauten dem Erdboden gleichgemacht. Dass dies dem Stadtteil enorm geschadet hat, liegt auf der Hand. Andere Stadtteile wie z. B. Herdern oder Waldsee können ebenfalls ein Lied davon singen.

Die Bußstraße in der Oberwiehre mit intaktem Altbaubestand – unbedingt schützenswert (Foto: K. U. Müller).

Ließ man bei der Stadt Freiburg achselzuckend Bauträger und abrisswillige Eigentümer gewähren, keimt nun doch wenigstens ein Mindestmaß an Hoffnung auf. So hat der Gemeinderat im Jahr 2018 städtebauliche Erhaltungssatzungen beschlossen, mit denen die Stadtteile Waldsee, Herdern, Wiehre, Stühlinger und Brühl, die eine hohe Dichte alter Bauten aufweisen, gegen die Gefahren des hohen Abriss- und Neubaudrucks in der Stadt geschützt werden sollen. Freiburg Lebenswert war damals Initiator und konnte mit viel Überzeugungsarbeit die Mehrheit im Gemeinderat von der Notwendigkeit solcher Satzungen überzeugen.

Habsburger Straße 91. Das seltene frühgründerzeitliche Gebäude ist wohl bald Geschichte – leider im doppelten Wortsinne (Foto: K. U. Müller).

Seit zwei Jahren arbeitet das Projekt „Rettung von Kulturdenkmalen“ im Rahmen der Arge Freiburger Stadtbild an der Erstellung einer Datenbank mit schützenswerten und gleichzeitig gefährdeten Gebäuden. Rund 70 Datensätze sind in bislang in der Datenbank zusammengefasst, weitere sollen dazukommen (die BZ berichtete am 9.8.2021). Dabei enthält jeder Eintrag Fotos und Lageplan des jeweiligen Gebäudes sowie eine Beschreibung, was bei einem Abriss verloren ginge. Leider steht die Zukunft des Projekts in den Sternen, denn dessen Förderung läuft nun aus.

Bleibt zu hoffen, dass das Projekt erfolgreich weitergeführt werden kann. Die Liste bereits abgerissener Gebäude ist wahrlich lang: Ratsstüble, Villa in der Winterer Straße 28, Erwinstraße oder Lorettostraße 14, eines der letzten Häuser des alten Adelhausen. Akut abbruchgefährdet ist das Haus Habsburger Straße 91, eines der wenigen verbliebenen frühgründerzeitlichen Gebäude – die Liste ließe sich problemlos verlängern.

Diese wiehretypische Hinterhofwerkstatt wurde durch einen faden und austauschbaren Neubau ersetzt (Foto: K. U. Müller).

Freiburg Lebenswert setzt sich stets für den Erhalt historischer Gebäude und damit auch für das Stadtbild ein. Wir dürfen die Entscheidung, wie die Stadt aussehen und wie mit unserer Geschichte umgegangen werden soll, nicht allein den Bauträgern überlassen. Wir alle haben eine Verantwortung unseren Kulturgütern gegenüber. Hoffen wir, dass die Stadt sich endlich dieser Verantwortung bewusst wird!

Abriss eines nicht denkmalgeschützten Altbaus 2017 in der Erzherzogstraße. Der Neubau wirkt wie ein Fremdkörper in der Umgebung (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/entsetzen-ueber-abriss-einer-villa-in-der-wiehre/

https://freiburg-lebenswert.de/liste-denkmalgeschuetzter-gebaeude/

https://freiburg-lebenswert.de/denkmalschutz-statt-geschichtsvergessener-funktionsarchitektur/

https://freiburg-lebenswert.de/das-gesicht-der-wiehre-wahren/




Anfrage zur Schließung Schülerhort Herz-Jesu

Zur geplanten Schließung des Schülerhorts Herz-Jesu hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 7. August 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

aus Sicht der Eltern und auch meiner ist nicht nachvollziehbar, warum der Schülerhort Herz-Jesu im Stühlinger geschlossen wird, da hier ein hervorragendes pädagogisches Konzept und sehr gut ausgebildete Fachkräfte vorhanden sind. Die Kinder des Hortes sollen in Zukunft in die Schulkindbetreuung (SKB) der Hebelschule integriert werden. Das Problem ist jedoch, dass diese sich noch im Aufbau befindet und Fachkräfte Mangelware sind. Laut Elternvertretung kommt und geht Betreuungspersonal, da die Arbeit sehr anspruchsvoll ist und verlässliche Strukturen fehlen. Es ist nicht zu verstehen, dass der Vorschlag, eine Zusammenarbeit zwischen der SKB an der Hebelschule und dem Schülerhort zu initiieren, vom Amt für Schule und Bildung abgelehnt wurde. Damit hätten die Erfahrungen aus mehr als 50 Jahren in die städtische Schulkindbetreuung integriert werden können. Laut des Amtes für Schule und Bildung sei kein Plan für den Übergang der Hortkinder nötig. Viele Hortkinder würden auf Grund der Coronapandemie bereits in der SKB betreut, was ausreichend sei.

Hierzu meine Fragen:

  1. Den Eltern ist es wichtig, dass ein kontinuierlicher Übergang gesichert wird. Wie wird dies gewährleistet?
  2. Wird das Amt für Schule und Bildung in einen konstruktiven Dialog mit den Eltern, den Mitarbeitern des Hortes und den Betreuungsteams der SKB eintreten, um das Bestmögliche für die Kinder zu gewährleisten?
  3. Warum wird kein Elternabend veranstaltet, um die Eltern über die zukünftige Entwicklung zu informieren?
  4. Was spricht gegen die Gründung einer Elternvertretung in Zusammenarbeit mit der SKB?
  5. Nachmittagsbetreuungsangebote für Schulkinder sind stärker gefragt denn je und auch die Kinder aus dem Schülerhort Herz-Jesu sollten von der SKB aufgenommen werden. Wie kann die SKB gewährleisten, dass ein erhöhtes Aufkommen an zu betreuenden Kindern bewältigt wird?
  6. Laut Auskunft der Elternvertreter des Schülerhortes Herz-Jesu konnten Kinder aufgrund des Erreichens der Kapazitätsgrenze nicht mehr in der SKB aufgenommen werden. Der Schülerhort musste Betreuungsanfragen der Eltern dieser Kinder abschlägig bescheiden, da dieser ja geschlossen wird. Was gedenkt die Stadt zu unternehmen, um auch diesen Kindern eine Betreuung zukommen zu lassen? Gibt es Pläne für Alternativen?
  7. Im Schülerhort ist hoch qualifiziertes Personal mit akademischer Ausbildung in Pädagogik und Psychologie tätig. Momentan ist immer wieder von Fachkräftemangel die Rede. Möchte die Stadt, dass die Mitarbeiter des Hortes in die Arbeitslosigkeit entlassen werden? Wäre es nicht richtiger, diese zu übernehmen bzw. in geeignete Strukturen in der SKB einzubinden?

Es ist wichtig, dass Kinder nicht die Leidtragenden sein werden! Dass gespart werden muss, ist unabdingbar, aber ob dies die richtige Stelle ist, erscheint doch mehr als fraglich.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler




Rede zum Eisstadion

Zum Eisstadion (Drucksache G-21/137) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 27. Juli 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Eine Stadt in der Größenordnung Freiburgs braucht eine gewisse Auswahl an Freizeiteinrichtungen für seine Bürger. Dazu gehören beispielsweise Bäder, Theater, Museen, ein Tiergehege oder eben auch ein Eisstadion. Die Nutzer-Zahlen der Echte-Helden-Arena sind ja auch beeindruckend. Allein den Schul- und Publikumseislauf besuchen 80.000 Menschen, also vor allem Kinder und Jugendliche. Neben den Eishockey-Teams wird die Halle von weiteren Vereinen wie Eiskunstlauf und Eisstockschießen genutzt. Ein neues Eisstadion ist daher zweifelsohne ein Muss.

Der Verein Pro Eissport Südbaden setzt sich nun dafür ein, dass eine neue Halle eine Kapazität von mindestens 5.000 Zuschauern haben muss. Sicher auch deshalb, weil die oberste Liga des Eishockeys, die DEL (Deutsche Eishockey-Liga), fordert, dass die Stadien der in dieser obersten Spielklasse spielenden Vereine eine Zuschauerkapazität von mindesten 4.500 Zuschauern haben müssen. Diese Forderung der DEL finde ich doch sehr anmaßend, da die meisten Eishockey-Vereine, anders als zum Beispiel der SC Freiburg als Fußballverein, nicht die finanziellen Kapazitäten zum Bau eigener Stadien haben. Und wenn der Steuerzahler für ein Stadion aufkommen muss, dann sollten seine Vertreter wie hier im Gemeinderat auch darüber mitentscheiden können, wieviel Zuschauerkapazität sie bezahlen möchten bzw. abhängig vom Städtischen Haushalt bezahlen können. Ich sehe es wie der Leiter des APS, dass ein volles Stadion mehr Stimmung auf die Eisfläche bringt, als ein halbvolles. Ich denke daher, dass ein Stadion mit 3.500 Zuschauern für den EHC Freiburg durchaus ausreichend ist, zumal dauerhaftes Spielen in der obersten Liga eher unwahrscheinlich ist. Und für die DEL2 reichen 3.500 Zuschauerplätze allemal. Wenn statt 5.000 nur 3.500 Zuschauer vorgesehen werden, wirkt sich dies gleich mal im Einsparen eines zweistelligen Millionenbetrags aus. Hier müsste die DEL auch mal ihre überzogenen Statuten überdenken.

Zu den Überlegungen für ein Investorenmodell hatte der Leiter des APS (Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung) allerdings zu bedenken gegeben, dass der Bebauungsplan durch deren Wünsche mit vielen Zusatzfunktionen überfrachtet würde, was die Sache kompliziert, unübersichtlich und zeitfressend macht. Und Zeit haben wir nicht mehr. Das alte Eisstadion ist abgängig und eine CO2-Schleuder. Selbst ein nicht zu 100% klimaneutrales neues Eisstadion wäre daher allemal besser, als das alte weiter zu betreiben. Zudem gäbe es Probleme mit unserem Märkte- und Zentrenkonzept. Und mögliche Investoren, wahrscheinlich irgendwelche undurchsichtigen Hedgefonds in Übersee, machen die Sache aufgrund ihrer knallharten monetären Eigeninteressen keinesfalls einfacher. Und meistens sind sie auch nicht leicht zu kontaktieren. Ich erinnere nur an die langwierigen Versuche allein der Kontaktaufnahme mit den Eigentümern des EKZ Weingarten. Ein solches Modell kann daher nur letzte Wahl für uns, für Freiburg sein.

Also, ein neues Eisstadion mit zwei Eisflächen, aber reduzierter Zuschauerzahl halte ich für mehr als überfällig. Es muss jetzt endlich irgendeine Lösung her. Ich plädiere allerdings dafür, von einem Investorenmodell Abstand zu nehmen.




Rede zum Energiekonzept Dietenbach

Zum Energiekonzept Dietenbach (Drucksache G-21/093) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 27. Juli 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Geplant ist für den neuen Stadtteil Dietenbach ein heißes Nahwärmenetz, gespeist von einer Energiezentrale. Ein solches Konzept ist meines Erachtens aus zwei wesentlichen Gründen nicht zukunftsfähig. Zum Einen können mit einem heißen Nahwärmenetz die Gebäude im Sommer nicht gekühlt werden, was bei den zu erwartenden steigenden Temperaturen im Sommer durchaus bedenkenswert wäre. Zum Zweiten bringt eine Energiezentrale die künftigen Bewohner Dietenbachs in eine finanzielle und energetische Abhängigkeit vom Wärmelieferanten, der die Zentrale betreibt. Beides spricht für ein modular aufgebautes kaltes Nahwärmenetz, das Schritt für Schritt mit den Bauabschnitten erweitert und an die jeweils wachsenden Bedarfe angepasst werden kann. Begünstigt würde ein kaltes Wärmenetz noch zusätzlich, wenn man die Wärmebedarfe der Häuser durch das Vorschreiben besserer Energieeffizienzhaus-Standards als EFH 55 noch weiter senken würde.

Aus diesem Grund halte ich es für zwingend notwendig, dass die jetzt vorgesehene Variante 4 nochmals von mindestens einem, besser zwei weiteren Ingenieurbüros kritisch überprüft wird. Da diese nur bereits vorhandene Daten nochmals unabhängig neu bewerten müssten, wäre die Zeitverzögerung nicht allzu groß. Aber mir wäre wesentlich wohler, wenn wir unsere Entscheidung für ein so umfassendes Bauvorhaben eines ganzen Stadtteils nicht nur auf den Empfehlungen eines einzelnen Ingenieurbüros gründen würden. Ich beantrage daher die Absetzung dieses Tagesordnungspunktes.