Frauen in den Gemeinderat

Im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr und im Rahmen der “Denkfabrik Chancengleichheit” wurde unsere Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) zu der Frage interviewt “was braucht es, damit sich mehr Frauen politisch engagieren?” Darauf antwortet sie sehr pragmatisch, unideologisch und zählt die Gründe auf, warum es für Frauen schwer ist, sich politisch zu betätigen:

“Wir Frauen bekommen Kinder, wollen einen Beruf haben und das alles unter einen Hut bringen: Familie, Kinder, eventuell eine Karriere – das ist eine verdammt schwierige Zeit. Und jeder der uns als aktive Stadträte beobachtet sieht, wie zeitintensiv unser Job ist.”

Auf die Frage, ob bei der Listenaufstellung Frauen diskriminiert würden, antwortet sie klar und unaufgeregt. Und sie spricht dabei ganz allgemein für alle Listen: “Ich behaupte, dass es keine Diskriminierung bei der Listenaufstellung gibt. Alle Parteien bzw. Wählergruppierungen haben Probleme, genug Frauen zu akquirieren.” Es sei allgemein schwierig Frauen zu finden, die bereit sind, sich auf Listen aufstellen zu lassen. “Wir suchen alle händeringend Frauen!”

Siehe das ganze Interview hier auf unserem YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/watch?v=EYismvPJ3eo&feature=youtu.be

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) im Interview.

Freiburg Lebenswert ist ein Zusammenschluss engagierter Freiburger Bürger aus allen Stadtteilen, Berufen und Milieus. Wir verstehen uns als freie Wählerliste, die sich im Gemeinderat für die Interessen der Bürger einsetzt. Uns vereinen die, unter den vier Schlagwörtern „Stadtbild, Bürgerbeteiligung, Lebensqualität und bezahlbarer Wohnraum“ formulierten Leitlinien. Sie enthalten zudem auch Themen wie die soziale Vielfalt in den Quartieren, Naturschutz, den Erhalt von Grünflächen, eine Stärkung des Denkmalschutzes und vieles mehr.

Wir sind ausdrücklich ideologisch und parteipolitisch unabhängig, und wir sind basisdemokratisch organisiert. Die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ist uneingeschränkt Grundlage unseres politischen Handelns. Mitglieder demokratiefeindlicher, rechtspopulistischer und/oder extremistischer Parteien oder Organisationen dulden wir nicht in unseren Reihen.

Wenn Sie unsere Ziele teilen und sich für diese einsetzen möchten, dann melden Sie sich bei uns. Werden Sie Mitglied bei Freiburg Lebenswert e.V., kommen Sie zu unseren Aktiven-Treffen und treten Sie ggf. auf unserer Liste zur Gemeinderatswahl an.

Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/wofuer-wir-stehen/

Und: https://freiburg-lebenswert.de/verein/wer-sind-wir/

 




Keine SC-VIP-Karten für Gemeinderatsmitglieder

Die Fraktion FL/FF ist prinzipiell erfreut über den Vorstoß der Fraktion der Freien Wähler vom April diesen Jahres sowie den der SPD-Fraktion späteren Datums und hält diese für richtig. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung und die Gemeinderatsfraktionen wird von ihnen angeregt, beginnend mit der Spielzeit 2018/2019 eine grundlegende Neuregelung für die Ticketvergabe der Spiele von Freiburger Sportvereinen zu finden: Das Kontingent an Eintrittskarten würde zentral  verwaltet, die Mitglieder des Gemeinderats erhielten Eintrittskarten gegen Bezahlung eines entsprechenden Entgeltes, was transparent darzustellen ist. Somit entfiele sowohl der Verdacht der Vorteilsnahme als auch die Gewährung eines geldwerten Vorteils.

Wir möchten aber daran erinnern, dass bereits bei  Aufnahme ihrer Tätigkeit im Gemeinderat im Jahr 2014 die Stadträte der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg die Annahme der kostenlosen VIP-Tickets des Sportclubs Freiburg verweigert hatten, mit der Begründung, dass eine Zuwendung dieser Größenordnung (Wert eines Tickets: ca. 3.000 €) nicht mehr mit der Unvoreingenommenheit eines Stadtrates vereinbar sei. Am 1. August 2014 schrieb die Badische Zeitung dazu, dass die Debatte über die kostenlosen VIP-Tickets immer wieder aufflamme und auch die anderen Fraktionen diese Vergünstigung in Nöte brächte. Zitat: „So konsequent wie die Neuen (Fraktionsgemeinschaft FL/FF) ist bislang aber sonst keine.“

Keine andere Fraktion hatte sich damals unseren Vorschlägen geschweige denn unserer Argumentation angeschlossen.

Es geht aber nicht nur um VIP-Karten für die Spiele des SC Freiburg. Auch sonstige Freikarten zu entsprechenden Veranstaltungen im kulturellen Bereich, aber auch bei zahlreichen anderen Events, bedürfen dringend einer Neujustierung.

Wie eingangs erwähnt, ist es erfreulich, dass andere Fraktionen diesen Vorstoß gewagt haben. Allerdings ist zu vermuten, dass es sich nicht unbedingt um Einsicht, sondern um Wahlkampftaktik handelt, denn glaubhafter wäre diese Vorgehensweise vor vier Jahren gewesen, anstatt den kostenlosen Zugang zu Spielen und vor allem dem VIP-Bereich eine weitere Legislaturperiode lang zu nutzen.

FL/FF hat vorgemacht, wie der Verdacht von Vorteilsnahme oder Beeinflussung vermieden werden kann.

Der von Gerlinde Schrempp und Dr. Wolfgang Deppert verfasste Beitrag wird im Freiburger Amtsblatt Nr. 728 erscheinen.

Siehe auch den Beitrag:  Befangenheit durch SC-Freikarten

Dort war im April d. J. zu lesen:  Man kann nicht mehr unbefangen über Angelegenheiten des SC entscheiden, wenn man Geschenke in dieser Größenordnung entgegen nimmt, bei jedem Heimspiel im Stadion sitzt und dem Verein zujubelt, über dessen Angelegenheiten man dann im Gemeinderat Entscheidungen fällt.

Dieser Zusammenhang ist eigentlich offensichtlich und müsste jedem klar sein. Dass Grüne und CDU-Stadträte da einmal mehr einhellig anderer Meinung sind, spricht für sich. Freimütig bekennt z.B. Timothy Simms von den Grünen in der BZ, dass er „die SC-Dauerkarte gerne nutzt, dann auf der Haupttribüne in der ersten Reihe sitzt“ und meint, „eine Beeinflussung finde nicht statt“. Und Berthold Bock von der CDU sieht „keine Notwendigkeit für das Thema.“

Und siehe auch den Beitrag:  SC-Freikarten: Grosses Lob für FL

Dort wurde schon im August 2014 festgestellt:  Auf sehr breite Zustimmung und großes Lob ist die Ablehnung der SC-Freikarten durch die Stadträte der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert (FL) / Für Freiburg (FF) bei den Freiburger Bürgern wie bei der Presse gestoßen. (…) Diese Haltung hat den vier FL/FF-Stadträten und der Bürgerliste Freiburg Lebenswert viel Lob und Anerkennung eingebracht. Die anderen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen und Parteien, die die Karten als „Bonbon“ (so die Grünen) bzw. „Schmankerl“ (so die CDU) angenommen haben, hat die Haltung von FL dagegen in erhebliche Erklärungsnot gebracht.

Fraktionsgemeinschaft FL/FF: Gerlinde Schrempp, Prof. Klaus-Dieter Rückauer, Karl-Heinz Krawczyk, Dr. Wolf-Dieter Winkler.




Verbesserungsvorschläge beim Bauvorhaben in der Rheinstr.

Am 12. September hat das Forum Neuburg zusammen mit der Bürgerinitiative der Anlieger in der Rheinstraße im Rathaus über 630 gesammelte Unterschriften an OB Martin Horn übergeben. Herr Horn zeigte sich sehr erfreut über das bürgerschaftliche Engagement und zeigte sich offen für Gespräche. Während des OB-Wahlkampfs hatte er als OB-Kandidat das Terrain bereits besucht und war deshalb mit der Situation vor Ort vertraut. Er zeigte auch bei der Übergabe der Unterschriften Verständnis für die Situation vor Ort und wollte prüfen lassen, was im Rahmen des Bebauungsplans hier möglich sei.

Unterschriften-Übergabe an OB Martin Horn am 12.09.2018 im Freiburger Rathaus.

Das Gelände gehört dem Land BW, das dort ein Bildungszentrum der Oberfinanzdirektion Karlsruhe plant und mit der Stadt im Rahmen des Bebauungsplans in der Rheinstraße (Stadtteil Neuburg) verhandelt. Das Forum Neuburg (siehe: www.forum-neuburg.de) hat in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative (BI) zwei Schreiben an die Stadtverwaltung und an die Fraktionen im Gemeinderat gesandt. Es möchte initiativ Einfluss auf den Bebauungsplan 1-77 nehmen, dessen Aufstellung am 7. Februar im Bauausschuss beschlossen wurde.

Vortschlag des Forum Neuburg und der Anwohner beim Bauvorhaben der Finanzschule in der Rheinstraße: Zurückversetzung des Baukörpers an der Rheinstraße (hinter die rot gestrichelte Linie) und dadurch Erhalt der Bäume an der Straße.

Der BI und dem Forum geht es in den Verbesserungsvorschlägen zur geplanten Bebauung vor allem darum, die Bäume an der Rheinstraße zu erhalten. Dafür müsste das geplante Gebäude nur um ein paar Meter nach hinten versetzt werden, was – nach Meinung des Forums und der BI – aufgrund der Pläne problemlos möglich wäre. BI und Forum betonen, dass sie nicht grundsätzlich gegen die Bebauung sind, sondern nur um Änderungen bitten, die vom Bauherrn und der Stadt, die den Bebauungsplan aufstellt, leicht umzusetzen wären.

Martin Horn im März 2018 vor Ort in der Rheinstraße.

Das Antwortschreiben von Herrn Bürgermeister Haag vom 17.05.2018 zeigt die subjektive und in keiner Weise kompromissbereite Haltung der Verwaltung zum Thema städtebauliche Verträglichkeit und berechtigte Bürgeranliegen. Wie der kastenförmige, fünfgeschossige Kubus als „stadtbildverträglich“ und „für den Stadtteil Neuburg charakteristisch“ dargestellt werden kann, ist uns ein Rätsel. Es drängt sich der Verdacht auf, dass für weitere Bauten in diesem Gebiet ein Exempel statuiert werden soll. Dieses kann aber nicht Sinn des neu zu erstellenden Bebauungsplanes sein. Sinn des Bebauungsplanes sollte im Gegenteil sein, die städtebaulichen Charakteristika der Neuburg, nämlich die in der Umgebung vorhandenen Walm- und Satteldächer, vorzuschreiben.

Siehe das Schreiben des Forum Neuburg mit den Verbesserungsvorschlägen an die Verwaltung: Brief_wg_Finanzschule_13_03_2018

Sowie das zweite Schreiben an die Fraktionen im Gemeinderat: Brief_an_Fraktionen_wg_Finanzschule_22_06_2018

Fast alle Fraktionen im Gemeinderat haben ihre Unterstützung zugesagt. Außer die Fraktion der sogenannten “Grünen”,  die sich von vornherein geweigert hat, die Bäume an der Straße zu erhalten und es abgeleht hat, sich die Bitten und Vorschläge der Anwohner überhaupt anzuhören.




Unterstützung des Bürgerentscheids

Pressemitteilung vom 10. September 2018

Die parteiunabhängige und basisdemokratische Wählervereinigung Freiburg Lebenswert (FL) unterstützt das Bürgerbegehren, das zum Ziel hat, bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit herbeizuführen, um den am 24.7.2018 gefassten Gemeinderatsbeschluss zum geplanten Stadtteil im Dietenbach aufzuheben. Das Bürgerbegehren wird derzeit von einem breit aufgestellten “RegioBündnis Pro Landwirtschaft, Natur & ökosoziales Wohnen” vorbereitet.

Mitglieder dieses Bündnisses sind: AbL Arbeitsgem. bäuerliche Landwirtschaft B-W. e.V., AGUS Arbeitsgem. Umweltschutz Markgräflerland eV, AK Wasser im BBU e.V., Antiatomgruppe Freiburg, BLHV OV Freiburg-St. Georgen, BLHV OV Freiburg-Tuniberg, BUND OV Freiburg, BI Pro Landwirtschaft und Wald in Freiburg-Dietenbach & Regio, ECOtrinova e.V., GartenLeben Freiburg, Klimabündnis Freiburg, Lernort Kunzenhof e.V., NABU Freiburg e.V., NABU Gruppe Dreisamtal e.V., Plan B e.V., Manfred Kröber und weitere Privatpersonen.

Schon allein aufgrund seines basisdemokratischen Selbstverständnisses, seiner programmatischen Forderungen nach Bürgerbeteiligung und aufgrund seines grundsätzlichen Eintretens für direkte Demokratie, unterstützt FL einen Bürgerentscheid zum Thema Dietenbach.

Die Argumente und Bedenken, die gegen den geplanten Stadtteil auf dem Dietenbachgelände sprechen, sind bekannt: Es sind dies z. B. die angestrebten Enteignungen der Landwirte, deren Existenz dadurch bedroht wird, die erheblichen Eingriffe in Natur und Ökologie, das Zubauen der zentralen Luftschneise mit Auswirkungen auf das Freiburger Klima und manches mehr. Vor allem aber ist das Argument hervorzuheben, dass angesichts der enormen Kosten durch die erforderlichen Aufschüttung des gesamten Geländes (um bis zu 3 m Erdreich!) wegen Hochwassergefahr, der Verlegung der Hochspannungsleitungen oder durch die (6 m hohen!) Schallschutzmauern zur geplanten Autobahn (die quer durch Freiburg führen wird und schon jetzt die Randbebauung des Rieselfeldes beschallt), kaum „bezahlbarer Wohnraum“ auf dem Gelände entstehen kann.

Das Dietenbachgelände wird durch die erforderlichen Maßnahmen VIEL ZU TEUER werden, um den benötigten, sogenannten „bezahlbaren Wohnraum“ zu ermöglichen. FL ist für bezahlbaren Wohnraum, aber es ist ein Irrglaube, dass durch die Bebauung von Dietenbach mehr „bezahlbarer Wohnraum“ entstehen würde. Die Gemeindeträte der Fraktion FL/FF waren die einzigen, die auf die Missstände aufmerksam gemacht hatten und sich aus diesen Gründen in der Gemeinderatssitzung am 24.7.2018 gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen hatten.

Siehe dazu auch: https://freiburg-lebenswert.de/dietenbach-wird-den-zuzug-nach-freiburg-noch-verstaerken/ sowie: https://freiburg-lebenswert.de/gruene-enteignung-statt-erhalt-der-oekologie/ und https://freiburg-lebenswert.de/quo-vadis-freiburg/.

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Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de
www.freiburg-lebenswert.de




Aktionsbündnis will Bürgerentscheid zu Dietenbach

Am gestrigen Montag, dem 9. September 2018 veranstaltete das “Aktionsbündnis rettet Dietenbach” eine Pressekonferenz,  in der sie begründete, warum sie einen Bürgerentscheid zu der Frage anstrebt: “Soll das Dietenbachgebiet unbebaut bleiben?” Ulrich Glaubitz, sprach für den Verein “Mehr Demokratie!”, der sich an dem Bündnis zwar nicht beteiligt, dieses aber berät. Er betonte, dass der Bürgerentscheid – im Gegensatz zu den vielen anderen Formen der “Bürgerbeteiligung” – ein verbindliches Instrument der Demokratie ist.

Das Bündnis sei sehr zuversichtlich, die mindestens rund 12.000 Original-Unterschriften bis zum 26. Oktober 2018 zusammen zu bekommen, um ein Bürgerbegehren. Die drei verantwortlichen Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens gemäß § 21 (§) der baden-württembergischen Gemeindeordnung sind Manfred Kröber (Mitglied der “Grünen” und OB-Kandidat im 1. Wahlgang), Ralf Schmidt (vom RegioBündnis in dem eine Vielzahl von Organisationen und Vereine organisiert sind) und Ulrich Glaubitz (örtlicher Vorsitzender des Vereins “Mehr Demokratie”, der hier aber als Privatperson agiert).

Freiburg Lebenswert (FL) ist nicht Teil des Bündnisses, unterstützt aber grundsätzlich das Bürgerbegehren und den Bürgerentscheid zum Thema Dietenbach. Siehe dazu die Presseerklärung von FL.

Pressekonferenz der “Aktion Bürgerentscheid Rettet Dietenbach” am 10.09.2018 (Foto: M. Managò)

Stichwortartig zählte Manfred Kröber die Nachteile auf, die aus Sicht des Bündnisses gegen die Bebauung des Dietenbachgeländes sprechen:

  • Das Verschwinden des ökologisch wichtigen Lebensraums und des grünen Naherholungsgebieten bei viel zu wenig Ausgleichsflächen,
  • das Verdrängen der regionalen Landwirtschaft, die regionale Lebensmittel erzeugt,
  • das Zubauen der Frischluftschneise, die im Fünffingerplan ausgewiesen ist sowie
  • die gestiegenen Baukosten, die kaum bezahlbaren Wohnraum und auch nicht die geforderten 50% ermöglichen werden.

Mehr Infos zum Aktionsbündnis sowie praktische Informationen zum Bürgerbegehren (so z.B. auch das Unterschriften-Blatt zum Herunterladen) findet man unter: http://www.rettet-dietenbach.de

Siehe auch: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/das-buergerbegehren-ist-gestartet

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)

 

 




“Dem Flächenverbrauch Einhalt gebieten”!

Jeden Tag geht in Deutschland eine Fläche von rund 85 Fußballfeldern verloren. Viel zu viel, kritisieren Experten, denn der Boden übernimmt wichtige ökologische Funktionen. Ein sehr sehenswerter Beitrag des ARD-Magazins „Report Mainz“ greift das Thema Flächenverbrauch in Deutschland auf und zeigt, was systembedingt im Argen liegt und wo die Versäumnisse ihren Ursprung haben. Experten kritisieren, wie die Gemeinden (als letztes Glied der Verwaltungskette) – in ihren Augen – verantwortungslos mit den letzten grünen Flächen auf ihren Gemarkungen umgehen, und sie beklagen eine fehlende Bereitschaft der Landes- und Bundespolitik, den enormen Flächenverbrauch zu stoppen.

Prof. Manfred Niekisch, Experte für internationalen Naturschutz und vom Bundeskabinett in den Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) berufen, nimmt in der Sendung zum Flächenfraß in Deutschland eindeutig Stellung: „Das Thema Boden ist ein sehr schwieriges. Da sind nämlich zu Viele zuständig, dass sich am Ende keiner richtig zuständig fühlt. Deshalb greift auch niemand steuernd ein, sondern es sind letztendlich die ganz unten in der Hierarchie der Bodenverteilung stehen, die entscheiden, was in ihrem Ort passiert oder nicht passiert. Da brauchen wir eine sehr viel bessere Planung. (…) Man kann ganz klar sagen, dass das Thema Boden von der Bundesregierung und den zuständigen Resorts sehr stark vernachlässigt wird. Die Bundesregierung muss dringend handeln, um dem Flächenverbrauch Einhalt zu gebieten.“

Siehe: https://www.ardmediathek.de/tv/REPORT-MAINZ/Deutschland-wird-f%C3%BCr-Gewerbegebiete-zube/Das-Erste/Video?bcastId=310120&documentId=55750836 (04.09.2018, 7 Min., Quelle: SWR).

Das Thema Dietenbach zeigt, dass dies auch in Freiburg der Fall ist: Die Argumente und Bedenken, die gegen den geplanten Stadtteil auf dem Dietenbachgelände sprechen, sind seit Langem bekannt: Es sind dies z. B. die angestrebten Enteignungen der Landwirte, deren Existenz dadurch bedroht wird, die erheblichen Eingriffe in Natur und Ökologie, das Versiegeln und Zubauen der zentralen Luftschneise mit Auswirkungen auf das Freiburger Klima und manches mehr. Vor allem aber ist das Argument hervorzuheben, dass angesichts der enormen Kosten durch die erforderlichen Aufschüttung des gesamten Geländes (um bis zu 3 m Erdreich!) wegen Hochwassergefahr, der Verlegung der Hochspannungsleitungen oder durch die (6 m hohen!) Schallschutzmauern zur geplanten Autobahn (die quer durch Freiburg führen wird und schon jetzt die Randbebauung des Rieselfeldes beschallt), KEIN „bezahlbarer Wohnraum“ auf dem Gelände entstehen kann.

Das Dietenbachgelände wird durch die erforderlichen Maßnahmen VIEL ZU TEUER werden, um den benötigten, sogenannten „bezahlbaren Wohnraum“ zu ermöglichen. Auch Freiburg Lebenswert (FL) ist für bezahlbaren Wohnraum, aber es ist ein Irrglaube, dass durch die Bebauung von Dietenbach mehr „bezahlbarer Wohnraum“ entstehen würde. Die Gemeindeträte der Fraktion FL/FF waren die einzigen, die auf die Missstände aufmerksam gemacht haben und sich aus diesen Gründen in der Gemeinderatssitzung am 24.7.2018 gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen haben.

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)




„Preistreiber und Profiteure“

So lautet die Überschrift über einem ganzseitigen Artikel in der Badischen Zeitung (BZ, Magazin, Sa. 08.09.2018) von deren Herausgeber Thomas Hauser. Er bezeichnet darin den Immobilienmarkt als „fehleranfällig“, der sich selbst „als Teil der Lösung gibt, aber auch Teil des Problems ist“. Und er schreibt den vernichtenden Satz: „Die Formel “bauen, bauen, bauen” führt zu steigenden Baupreisen, weil Handwerker rar und damit teuer werden. Auch Grundstücke werden teurer. “ Worüber Freiburg Lebenswert (FL) seit seiner Gründung spricht, ist offensichtlich nun bei denen angekommen, die darüber immer nur gelächelt haben.

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden (Foto: U. Glaubitz)

Hauser bezeichnet auch den Staat als „Profiteur und Preistreiber“, der mit Bürokratie, Grunderwerbsteuer und als Immobilienverkäufer Profiteur der Preisentwicklung wird. „Kommunale Baugesellschaften wurden zu Profit-Centern umgewidmet, wenn sie denn nicht ebenfalls an Privatinvestoren verkauft wurden.“ Er schreibt in der BZ, als hätte er im Programm von FL abgeschrieben und fordert nun, die Kommunen sollten „zu einer aktiven Grundstückspolitik zurückkehren. Das kostet zwar Geld, bringt sie aber in der Lage, Bauvorhaben zu steuern. Ziel muss es sein, nicht den potentesten Käufern mit den höchsten Renditeerwartungen den Zuschlag zu geben, sondern Genossenschaften, kommunale Bauträgern oder ortsansässigen Familien.“

Und außerdem liest man von ihm: „Es gibt zwar ein Recht auf Wohnen, aber es gibt kein Recht auf 40 qm pro Person in großzügig geschnittenen, modern ausgestatteten Räumen mit großem Südbalkon in der Nähe öffentlicher Verkehrsmittel mit guter Versorgung, aber gleichwohl ruhig – und das für vier Euro pro Quadratmeter.“ Man könnte/sollte ergänzen: Auch nicht jeder, der seinen Lebensabend in Freiburg verbringen möchte, muss sich hier eine Luxuswohnung kaufen können und hier leben, nur weil es vielleicht etwas wärmer ist, als in Hamburg oder Hannover. Denn, so schreibt Hauser: „Ohne Bauen wird es nicht gehen, aber das muss bedarfsgerechter geschehen.“ Sprich: Bezahlbarer Wohnraum, z.B. für Freiburger Familien.

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/die-immobilienwirtschaft-ist-zu-einer-grossen-umverteilungsmaschine-geworden

Bauwahn: Spekulationsobjekte HotelOne und Luxusstudentenwohnheim Fizz (Foto: M. Managò)

Auch andere Medien, die durchaus nicht im Verdacht stehen sozialistische Propaganda zu betreiben, schreiben inzwischen über das Thema „Mietpreisexplosion“. So z.B. das Handelsblatt, das in einem lesenswerter Artikel feststellt: „Der stark gestiegene Preis des Wohnens in Deutschland ist zu einem heißen politischen Thema geworden. Fast alle Parteien wollen etwas für bezahlbaren Wohnraum tun, vermitteln aber den Eindruck von Ratlosigkeit.“

Siehe: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wohnungsbau-wie-sich-die-mietpreisexplosion-bremsen-laesst/22949892.html?ticket=ST-3748229-HJzPLisb7Ql2z31Ul0Ud-ap1

Dies alles sind Dinge, die FL immer wieder angesprochen hat und dafür – auch von der BZ, der Salomon-Administration und der sie unterstützenden Koalition aus „Grünen“ und CDU – immer wieder gescholten wurde. Dass nun die Einsicht eingetreten ist, dass das, was FL gesagt hat, so falsch nicht war, bestätigt uns in unserem Bemühen, mit stetem Tropfen, den Stein der Erkenntnis weiter zu höhlen. Eines Tages wird man auch in Bezug auf die Bebauung des Dietenbach-Geländes und des Wolfswinkels auch zu der Einsicht kommen, dass die am 24.07.2018 im Gemeinderat eingeschlagene Politik in die falsche Richtung führt.

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.




Hässlich wohnen

„Wie wirkt es sich auf die Laune der Menschen aus, wenn Wohnraum immer knapper, teurer – und hässlicher wird?“ so der Untertitel einer Kolumne der Schriftstellerin und Dramaturgin Sibylle Berg, die am 1. September 2018 bei SPIEGEL Online veröffentlicht wurde. Die Presse scheint die Hässlichkeit und Durchschnittlichkeit moderner Architektur in unseren Städten entdeckt zu haben, denn immer mehr Autoren kommen zu Wort und beschäftigen sich damit, was viele Bürger in unseren Städten schon lange stört.

So schreibt Sibylle Berg bei SPIEGEL Online: „Der Mensch formt seine Umgebung, die Umgebung formt den Menschen. Meist ein Perpetuum des Grauens. Oft demonstrieren Gebäude klischeeverstärkende Realität: die Eleganz vieler italienischer Menschen, die solide quadratische Durchschnittlichkeit in Deutschland und der Schweiz. (…) Doch meist sieht man die Mehrzahl der Gebäude, die heute entstehen, der Effektivität und den größtmöglichen Gewinnaussichten für die Bauherren folgen.“

Und sie beklagt die Unehrlichkeit von angeblichem Umweltbewusstsein bei den Bauvorschriften: „Natürlich irgendwie ökologisch, aber nicht zu sehr, nicht so sehr, dass man hängende Gärten errichten wollte. Man polstert einfach viereckige Kästen gut ab. Setzt luftdichte Fenster in die Boxen ein, nicht zu groß, wegen des Energieverlusts.“

Die Autorin benennt auch das soziale Problem, das dahinter steckt: „Die Gebäude, die meisten, die heute entstehen, sind zweckdienliche Zweckbauten, dem Zweck der Unterbringung von Konsumenten geschuldet, und formen den Menschen der Jetztzeit, der kontaktgestört durch ein Leben eiert, in dem Überleben das höchste Gut ist, Mittelmaß der Status quo, denn alles, was aus dieser Mitte ragt, wird vom Schnitter erwischt. Die neuen, in jeder Hinsicht effizienten Menschenverwahrungsboxen sind Ausdruck einer an Verachtung grenzenden Lieblosigkeit. Was gibt es für ein Land praktischeres als saubere, gut verstaute, mittelmäßige Menschen, die Angst vor dem Verlust ihrer Fußbodenheizung haben, und keine Vision davon, was Schönheit sein könnte…“

Harte Worte sind das! Vielleicht zu hart?

Sie machen jedenfalls deutlich, woran es heute in der Stadtplanung fehlt: Für die Menschen lebenswert zu planen und zu bauen, mit Sinn für die Schönheit in den Städten. Jeder möchte gerne in einem Altbau wohnen oder in kleinen, individuellen (Reihen-)Häusern mit einem Dach und etwas Garten und Grün drum herum. Doch Architekten meinen heute, nur graue oder weiße Schuhschachteln entwerfen zu müssen – was den Bauträgern entgegen kommt, da dies einfach und billig ist, aber gewinnbringend teuer verkauft werden kann.

Siehe: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/wohnen-moderne-wohnarchitektur-macht-auch-nicht-gluecklich-a-1225083.html#ref=rss

Sibylle Berg (geboren 1962 in Weimar) ist eine bekannte deutsch-schweizerische Schriftstellerin und Dramatikerin. Sie schrieb bereits zahlreiche Romane, Essays, Kurzprosa, Theaterstücke, Reisereportagen, Künstlerporträts, Glossen und Hörspiele und ist auch als Kolumnistin tätig. Sie gehört zu den Unterstützern der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union und hat einen Lehrauftrag an der Zürcher Hochschule der Künste. Siehe auch: https://www.sibylleberg.com/de/es

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt bald das Münster (Foto: U. Glaubitz)

Austauschbare Baukisten, hier z.B. in der Baslerstraße (Foto: K. U. Müller)