Ist die Mooswald-Bebauung wirklich vom Tisch?

Der betroffene Mooswald heute

Überraschung: OB Dr. Dieter Salomon rückt von der geplanten Bebauung einer elf Hektar großen Fläche im Mooswald ab. Zudem will er das 3,5 Hektar große Gebiet einer Dreisamwiese an der Kappler Straße in Littenweiler nicht bebauen. Natürlich freuen sich die Stadträte von FL/FF über diese Entwicklung, denn für ihr Engagement gegen die Bebauung dieser Flächen wurden sie immer wieder angegangen. Für den vom OB formulierten Satz: „Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen“ beansprucht ausschließlich FL/FF das Urheberrecht.

Die beiden Flächen gehören zu den von der „Projektgruppe neue Wohnbauflächen“ vorgestellten fünf Flächenpotenzialen zur Wohnbebauung. In der Gemeinderatssitzung am 15.12.2015 wurde darüber abgestimmt, ob diese ersten fünf Flächenpotenziale für den Wohnungsbau zu entwickeln sind. Die Mehrheit der Stadträte stimmte dafür, während acht Stadträte dagegen stimmten, darunter die vier von FL/FF.

Es verwundert nicht, dass die Gemeinderatsfraktionen überrascht oder sogar entsetzt auf Salomons Aussagen reagierten. Im Hauptausschuss am Montag wurde ihm vorgeworfen, er habe es versäumt, seine Überlegungen im Gemeinderat zu diskutieren, bevor er an die Öffentlichkeit gegangen sei. Die anderen Fraktionen begründeten ihre damalige Zustimmung für eine Prüfung der Mooswald-Bebauung damit, dass dies eine Zwischenlösung sei, um die Zeit bis zum Bau des neuen Stadtteils Dietenbach zu überbrücken. Auch wurde von ihnen angemahnt, dass erst einmal die Gutachten im nächsten Jahr hätten abgewartet werden sollen, denn diese würden klären, ob es sich um wertvollen Wald handelt oder nicht. Erst dann sollte eine Entscheidung über die Bebauung getroffen werden. Muss in einer Stadt wie Freiburg, die nach außen so demonstrativen Wert auf ihre ökologischen Grundsätze legt, allen Ernstes der Frage nachgegangen werden, ob es Wald gibt, der nicht wertvoll ist?

Bei aller Euphorie über die Aussagen von OB Salomon sollte jedoch beachtet werden, dass er nur über eine Stimme im Gemeinderat verfügt. Wir sind zwar im vorliegenden Fall auf seiner Linie, aber der restliche Gemeinderat könnte sich durchaus auf die Beschlussvorlage von damals berufen und anders entscheiden. Sind die Mooswald-Bebauung und die Bebauung der Dreisamwiese wirklich vom Tisch?

Text von Dr. Wolfgang Deppert,
Geschäftsführer der Fraktionsgemeinschaft FL/FF
für das Amtblatt der Stadt Freiburg vom 23.11.2017

Fotomontage des Bürgervereins mit neuer Bebauung im Mooswald




Zur Verantwortung für den Kahlschlag vor der Volksbank

Groß ist die Empörung in der ganzen Stadt und darüber hinaus über den Kahlschlag, den die Volksbank (mit Genehmigung der Stadtverwaltung) an fast 50, größtenteils gesunden, teilweise geschützten Bäumen an der Bismarck-Allee, gegenüber vom Hauptbahnhof, durchführen lässt. Viele wütende Leserbriefe in der Badischen Zeitung (BZ) zeugen von dem Unverständnis, das die Bürger für diese Aktion haben.

Die Volksbank selbst wird da an ihre Verantwortung erinnert. Will Sie bei den Freiburgern wirklich ihren Ruf derart aufs Spiel setzen? In den Leserbriefen ist von “der Macht des Geldes” die Rede, ja sogar von der “Möglichkeit, seine Konten bei dieser Bank zu kündigen” . Auch erschließt sich einem Leser das Motto der Bank “Wir machen den Weg frei” heute ganz neu. Und ein anderer Leser fragt sich: “Ist da igendjemand nicht ganz bei Trost?”

Aber auch die Stadtverwaltung und der OB werden an ihre Verantwortung erinnert. “Dass die Stadt auch noch mitspielt” und beschönigend von “Stilllegungen” spricht empört eine andere Leserin.  Und dem OB sowie den Freiburger Grünen wird vorgeworfen,  in Sonntagsreden den Klimaschutz zu beschwören, in der Praxis aber immer wieder das Gegenteil davon zu tun. Sie werden für den Kalschlag “mitverantwortlich” gemacht.

Ein Leserbrief bringt das alles auf den Punkt, den wir hier deshalb gerne vollständig widergeben möchten:

Leserbrief in der BZ vom 22.11.2017




Pressemitteilung zum Sinneswandel des OB

Bisher sagte nur Freiburg Lebenswert:
„Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen“

Was Freiburg Lebenswert (FL) seit seiner Gründung sagt und immer wieder vorgebracht hat, was die Stadträte der Fraktionsgemeinschaft FL/FF im Gemeinderat immer wieder betonen und wofür sie (auch von OB Dieter Salomon) immer wieder angegangen worden sind, das scheint sich nun endlich auch an der Stadtspitze durchgesetzt zu haben. Jetzt ist vom OB der erstaunliche und begrüßenswerte Satz zu lesen: „Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen“. Auf diesen Satz beansprucht jedoch ausschließlich FL/FF das Urheberrecht! Waren es doch alle anderen Fraktionen im Gemeinderat, die immer dagegen gewettert haben.

Dieter Salomon hat auch seine Meinung zu Flächen im Stadtteil Mooswald sowie zu der Dreisamwiese an der Kappler Straße geändert: „Mooswald abholzen – das ist ein Symbolthema“, sagte er in der Mitgliederversammlung der Grünen zum Thema OB-Wahl über die Waldflächen, die für eine Bebauung abgeholzt werden sollen und verwies dabei auf den großen Widerstand, der vor allem im Stadtteil, aber auch bei vielen BürgerInnen der übrigen Stadt besteht. Nachhaltige Politik heiße, dass man Politik mit den Menschen mache, so Salomon laut BZ. Genau das wünschen wir.

Natürlich freuen sich FL und die Fraktion FL/FF über diese Entwicklung. Aber im Grunde schert der OB hier ohne Rücksprache mit dem Gemeinderat selbstherrlich aus. Dieser Schwenk um 180 Grad ist vor allem eine Ohrfeige für die anderen Fraktionen, besonders für die der sogenannten „Grünen“ in Freiburg. Und es stellen sich weitere Fragen:

Ist da wirklich ein Umdenken und ein Richtungswechsel im Gange? Spürt Salomon endlich den wachsenden Widerstand in der Stadt? Es wäre ein Lichtblick und eine erfreuliche Nachricht. Der Verdacht, dass dies nur ein wahltaktisches Manöver ist und dass er nach der Wahl wieder zur alten Politik des „Bauens auf Teufel komm raus“ zurückkehrt, bleibt aber bestehen. Oder hängt  die Kehrtwendung des OB ganz einfach damit zusammen, dass sein neuer Finanzbürgermeister aus dem Stadtteil Mooswald stammt und dessen Elternhaus nicht weit des Waldes steht, dessen Abholzung droht(e)?

Dr. Wolf-Dieter Winkler, FL-Stadtrat und FL/FF-Fraktionsvorsitzender meint dazu:

“Der Oberbürgermeister hat die Prowo-Flächen ins Spiel gebracht und den Gemeinderat auf deren Bebauung eingeschworen. FL/FF war die einzige Fraktion, die zumindest die drei ProWo-Flächen Stühlinger Kleingärten, Mooswald und Dreisamauen rundum abgelehnt hat und dafür viel Beschimpfungen, Häme und Spott von allen Seiten hat ertragen müssen. Und nun räumt der OB ohne Rücksprache mit dem Gemeinderat aus Angst um seine Wiederwahl zwei dieser von FL/FF abgelehnten Flächen in einer Nacht- und Nebelaktion ab. Das ist Populismus pur! Er stößt dabei vor allem die Grünen-Fraktion vor den Kopf. Denn die Freiburger Grünen haben alle Grünflächenvernichtungen des OB nibelungentreu mitgetragen.”

Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de
https://freiburg-lebenswert.de

Fraktionsgemeinschaft FL/FF
Tel.: 0761/201-1830
E-Mail: fl-ff-fraktion@stadt.freiburg.de
http://www.fl-ff-fraktion.de

Das Gebiet des Mooswals, das nach Planung der Stadt bebaut werden soll.

 




“Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen”

Aufruf/Plakat u. a. der AG Mooswald

Was Freiburg Lebenswert seit seiner Gründung sagt und immer wieder vorgebracht hat, was die Stadträte der Fraktionsgemeinschaft FL/FF im Gemeinderat immer wieder betonen und wofür sie (auch von OB Dieter Salomon) immer wieder angegangen worden sind, das scheint sich nun endlich auch an der Stadtspitze durchgesetzt zu haben. Bei BZ-Online ist in einem am 17.11.2017, also erst vor ca. zweieinhalb Stunden veröffentlichten Beitrag der erstaunliche und begrüßenswerte Satz zu lesen: “Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen”.

Dieter Salomon hat auch seine Meinung zu Flächen im Stadtteil Mooswald geändert: “Mooswald abholzen – das ist ein Symbolthema”, sagte er in der Mitgliederversammlung der Grünen zum Thema OB-Wahl über die Waldflächen, die dort für eine Bebauung abgeholzt weerden sollten und verwies dabei auf den großen Widerstand im Stadttei.  Nachhaltige Politik heiße, dass man Politik mit den Menschen mache, so Salomon laut BZ.

Und in der BZ lesen wir weiter: “Er wisse, so der OB, dass die Bauverwaltung und auch die grüne Fraktion eine andere Meinung zum möglichen Baugebiet im Mooswald habe. Salomon sprach sich am Donnerstagabend zudem noch gegen eine zweite Fläche aus der Perspektivplan-Liste aus: Er will das Hektar große Gebiet einer Dreisamwiese an der Kappler Straße in Littenweiler nicht bebauen.”

Ist da wirklich ein Umdenken und ein Richtungswechsel im Gange angesichts der bevorstehenden OB-Wahl? Spürt Salomon endlich den wachsenden Widerstand in der Stadt? Es wäre ein Lichtblick und eine erfreuliche Nachricht. Der Verdacht, dass dies nur ein wahltaktisches Manöver ist und dass er nach der Wahl wieder zur alten Politik des “Bauens auf Teufel komm raus” zurückkehrt, bleibt. Hoffen wir, dass Letzteres nicht so kommt.

Oder hängt der Sinneswandel des OB ganz einfach damit zusammen, dass sein neuer Finanzbürgermeister aus dem Stadtteil Mooswald stammt und sein Elternhaus nicht weit des Waldes steht, dessen Abholzung droht(e)?

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ob-salomon-rueckt-von-mooswald-bebauung-ab–145211156.html

Das Gebiet des Mooswals, das nach Planung der Stadt bebaut werden soll.




Die Mooswälder bei Freiburg

Am 14.11.2017 stand im Gemeinderat auch der Tagesordungspunkt “Managementplan Natura 2000 (Mooswälder bei Freiburg)” auf der Agenda. Dazu hat unser Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Dr. Wolf-Dieter Winkler für die Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF)  folgende Rede gehalten. Im Ortschaftsrat Waltershofen wurde von einigen Ortschaftsräten kurz darauf übrigens dieselbe Kritik an der städtischen Vorlage vorgebracht.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

diese 15seitige Stellungnahme der städtischen Naturschützer zu dem 227seitigen Entwurf des Managementplans des Regierungspräsidiums ist ein interessanter Diskurs. Das RP hat viel Zeit aufgewendet, um den Zustand von Flora und Fauna der Freiburger Mooswälder zu beschreiben und Erhaltungsmaßnahmen vorzuschlagen. Genauso hat sich aber auch das städtische Umweltschutzamt sehr intensiv mit den Ausführungen des RP beschäftigt, um seinerseits in bestimmten Bereichen andere Bewertungen vorzunehmen und konstruktive Änderungsvorschläge zu unterbreiten. Dabei wurde sichtbar, dass es selbst bei diesen regional beschränkten Waldbereichen eine solche Fülle an Daten zu Fauna und Flora gibt, dass wir hier nur einen verschwindend kleinen Teil präsentiert bekommen können. Und es ist klar, dass selbst diese Datenflut nur sehr oberflächlich das Leben in den Mooswäldern streifen kann. Die 15seitige Replik der Stadt zeigt aber auch, dass selbst diese „oberflächlichen“ Beschreibungen der natürlichen Zusammenhänge durch die verschiedenen wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht immer eindeutig sind. Sie können unterschiedlichen Natur-Beobachtungen der jeweiligen Personen zugrunde liegen, unterschiedliche Schlussfolgerungen nach sich ziehen und auch in unterschiedliche Handlungsempfehlungen münden. Insbesondere Prognosen, wie sich beispielsweise das Eschentriebsterben oder der Klimawandel auf die komplexen Ökosysteme auswirken werden, lassen viel Raum für Interpretationen. Der seitenlange Diskurs beider Ausarbeitungen ist für den Leser, so er sich denn etwas intensiver mit der Materie beschäftigen möchte, interessant, macht ihn aber natürlich auch unsicher, welcher Darstellung bzw. Einschätzung er als Laie im Zweifelsfall den Vorzug geben soll.

So wird vom RP beispielsweise gefordert, die Gewässerunterhaltung aus ökologischen Gründen beim Neunaugenbach oder dem Mühlebach zu verringern. Dem entgegnet die Stadt, dass es bei einer Verringerung der Gewässerunterhaltung zu Überflutungen kommen kann, beim Mühlebach vor allem durch Substrat- und Bodeneintrag vom Tuniberg. Und das Umweltschutzamt hält auch aus ökologischen Gründen eine gelegentliche Sohlräumung für sinnvoll. Welcher Einschätzung soll man nun da den Vorzug geben?

Durch die doppelte Draufsicht von RP und Stadt auf die natürlichen Zusammenhänge werden aber auch ganz klar Verbesserungen aufgezeigt bzw. fehlende Sachverhalte beschrieben. So bemängelt das Umweltschutzamt zu Recht, dass das RP die Schäden durch Wildschweine oder das Aufkommen von Neophyten zwar beschreibt, aber keinerlei Vorschläge unterbreitet, wie dem beizukommen ist. Hier wird das RP folgerichtig zur Ausarbeitung von Maßnahmen aufgefordert. Zustimmung gibt es bei uns beispielsweise auch für den Hinweis der Stadt, dass es besser ist die Population einer Art weiter zu entwickeln, statt nur zu erhalten. Entwickeln bedeutet ja eine Verbesserung des Erhaltungszustandes oder Vergrößerung der Fläche eines Artvorkommens.

Bemerkenswert aber ist, dass sich die städtische Stellungnahme ausführlich an dem Thema Dietenbach reibt und vehement sämtliche Ausführungen des RP dazu für unzutreffend oder sachfremd erklärt. So wird der vom RP gemachte Vorschlag, dass neben anderen Gebiete auch in der Dietenbachniederung Kiebitz-Fenster vorgesehen werden sollten, von der Stadt wortreich und in fast scharfer Wortwahl abgelehnt. Des weiteren wird die Aussage des RP, dass die Weißstörche des Mundenhofs in den Ackergebieten des Dietenbaches wichtigere Nahrungsflächen vorfinden als im Naturschutzgebiet Rieselfeld ebenfalls bestritten. Das RP äußert weiterhin „den begründeten Verdacht, dass Weißstörche, Schwarzmilan und Rotmilan durch zahlreiche geplante Bauprojekte, welche zu einem Offenlandverlust im Umfeld des Vogelschutzgebietes führen würden, durch überwiegend negative Summationswirkungen in naher Zukunft beeinträchtigt werden.“ Meine Damen und Herren, man braucht kein Ornithologe sein, um diesen Satz ohne Bedenken als richtig zu erkennen! Selbstverständlich ist der Wegfall von Nahrungsräumen nachteilig für eine Tierpopulation, da sich auch Tiere nicht nur von Luft und Liebe ernähren können. Die Stadt möchte aber diese Sätze „streichen, da es sich nicht um eine Bewertung des aktuellen Erhaltungszustandes handelt. Prognostisch einen schlechteren Erhaltungszustand anzunehmen und das mit planungsrechtlich noch nicht gesicherten Vorhaben zu begründen, scheint an dieser Stelle fragwürdig.“ Meint die Stadt. Nächstes Beispiel, nochmal zum Rotmilan, zu dem die Stadt folgendes schreibt: „Aus den Erhebungen in der Dietenbachniederung und den Erhebungen zum Stadionneubau In Freiburg geht hervor, dass die Dietenbachniederung und die Flugplatzfläche sporadisch genutztes Nahrungshabitat des Rotmilans sind. Da der Rotmilan solche kurzfristig günstigen Nahrungsflächen großräumig sucht und gezielt anfliegt, kann diese zeitweilige Funktion wahrscheinlich auch durch andere Flächen erfüllt werden. Nach der aktuellen Datenlage ist somit eine besondere Bedeutung der Nahrungshabitate der Dietenbachniederung und des Flugplatzes für den Fortpflanzungserfolg des Rotmilans wenig wahrscheinlich.“ Zitatende. Das ist eine Behauptung, die ich für äußerst gewagt halte! Wo sollen denn die Flächen für den Rotmilan sein? Sie werden doch immer weniger eben durch die Ausweisung ständig neuer Baugebiete. Meine Damen und Herren vom Umweltschutzamt, all diese Ausführungen zu Dietenbach und Flugplatz erwecken den Eindruck, als hätten nicht Sie, sondern der Baubürgermeister diese Passagen geschrieben. Sie erscheinen nicht fachlich neutral, sondern folgen der vorgegebenen politischen Linie.

Es ist schade, Ihre wirklich in weiten Teilen sehr gute Ergänzungs- oder auch Änderungsvorschläge des RP-Entwurfs werden durch Ihre Einlassungen zu Dietenbach abgewertet. Wenn sich die Sachbearbeiter im RP nicht zu der baulichen Zukunft des Dietenbachs und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Vogelwelt äußern dürfen, dann würde das in Erweiterung bedeuten, dass auch Sie keine Prognosen zu den Auswirkungen von Eschentriebsterben und Klimawandel machen dürfen, denn auch diese betreffen die Zukunft. Sehen Sie, wie absurd Ihre Forderung ist?

Meine Damen und Herren, wegen der für uns zu tendenziösen Ausführungen zu Dietenbach können wir dieser ansonsten sehr guten Vorlage nicht zustimmen und werden uns enthalten.

Aufruf/Plakat der AG Mooswald




FL schickt keinen eigenen Kandidaten ins Rennen um die OB-Wahl

Pressemitteilung vom 15. November 2017

Auf den 15. 11. 2017 hat die Wählervereinigung Freiburg Lebenswert (FL) zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen, um über die anstehende OB-Wahl in Freiburg zu diskutieren. Es ging auch um die Frage, ob FL einen eigenen Kandidaten bzw. eine eigene Kandidatin ins Rennen schicken möchte. Die hohe Zahl der Mitglieder, die gekommen war, sowie die lebhafte Diskussion haben gezeigt, dass es einen starken Wunsch nach Veränderung an der Rathausspitze gibt.

Nach einer kontroversen Debatte, in der viele Argumente ausgetauscht, diskutiert und abgewogen wurden, haben die versammelten Mitglieder (bei einer Enthaltung) dann aber einstimmig Folgendes beschlossen:

“Die Mitgliederversammlung von Freiburg Lebenswert ist überzeugt davon, dass eine Neuausrichtung in der Freiburger Kommunalpolitik notwendig ist. Dennoch wird Freiburg Lebenswert bei der OB-Wahl im April 2018 keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Freiburg Lebenswert wird im OB-Wahlkampf Kandidaten oder Kandidatinnen unterstützen, deren politische Ziele im Einklang mit denen von Freiburg Lebenswert sind.”

Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de

FL-Mitgliederversammlung am 15.11.2017 (Foto: K. Langosch)




Abriss-Hiobsbotschaften aus der Wiehre

Abriss der Villa in der Siberbachstr. 25 (Foto: K.-U. Müller)

Nachdem es ein paar Jahre mehr oder weniger ruhig war im Stadtteil Wiehre, scheint dieses Viertel derzeit regelrecht unter dem Beschuss von Investoren zu stehen. Unser Mitglied Klaus Ulrich Müller, der in der Wiehre wohnt, hat uns darauf aufmerksam gemacht und die Hiobsbotschaften, die leider nicht abreißen, aufgelistet:

  • Das schützenswerte Haus in der Erwinstraße wird derzeit abgerissen. Die Stadt sah sich gezwungen, die schlechte Architektur des Neubaus zu genehmigen.
  • Über das Schützenareal haben wir auf dieser Seite schon mehrfach berichtet. Leider ist noch nicht alles „in trockenen Tüchern“. Einem Teil der Gebäude droht weiterhin der Abriss.
  • Besonders schmerzhaft war der Abriss der Villa in der Silberbachstraße, nach 2012 der zweite bittere Abriss in der Silberbachstraße. Der Neubau 2012, oder besser gesagt die beiden Neubauklötze sind kein besonders schöner Anblick, von dem Neubau 2017 ist voraussichtlich nicht viel zu erwarten.
  • Kurz nach der Villa in der Silberbachstraße war die alte Wiehre-typische Hinterhofwerkstatt in der Kirchstraße Wie zuvor schon in der Basler Straße werden dort wohl in Zukunft Baukisten stehen.
  • Die Bebauung des parkartigen Anwesens bei der Maria-Hilf-Kirche hat ebenfalls begonnen.
  • Der Garten des denkmalgeschützten Reinhold-Schneider-Hauses in der Mercystraße ist ebenfalls bereits zerstört. Dort sollen kastenförmige Anbauten entstehen.
  • Auch das Gebäude in der Lorettostraße 14, das aus den 1860er Jahren stammt, steht zur Disposition. Ein Abriss wäre eine weitere Katastrophe für den Stadtteil und ein Beleg dafür, dass man in der Stadt kein Gespür für stimmige Ensembles und Straßenzüge hat. Es wäre schade wenn dieses schöne gemütlich wirkende Haus gegen einen faden blutleeren Neubau ausgetauscht würde.

Nicht nur in der Wiehre fragt man sich, wohin das noch führen soll. Die Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, Häuser unter Denkmal- und Ensembleschutz zu stellen. Ein Anliegen, für das sich im Gemeinderat nur Freiburg Lebenswert eingesetzt hat. Auch müssen Gestaltungssatzungen für bestimmte Viertel und/oder Quartiere erlassen werden, wie sie der Leiter des Stadtplanungsamtes, Herr Jerusalem, als er sein Amt antrat, mehrfach gefordert und angeregt hatte.

Leider scheitert dies immer wieder am Widerstand der „großen Koalition“ aus Oberbürgermeister, Baubürgermeister, Grünen, CDU, Freien Wählern (deren Präsident Bauunternehmer Gisinger ist) und Teilen der SPD sowie der JPG, die die Politik des „Bauens auf Teuffel komm raus“ weiter auf die Spitze treiben wollen. Wer das nicht will, sollte sich gut überlegen, wem er bei der nächsten Bürgermeister- und Gemeinderatswahl seine Stimme gibt.

Die folgenden Bilder zeigen die ehemaligen Schreinerei Hügle in der Kirchstraße 9 a. aus dem Jahr 2015 sowie den Abriss im August und die Brachfläche im Oktober dieses Jahres. Zum Vergleich ein Foto der Hinterhöfe aus der Basler Straße als Beispiel, wie sich noch vor wenigen Jahren schöne und typische Hinterhofgebäude in austauschbare Baukisten verwandeln können:

Kirchstraße 9a im Jahr 2015 vor dem Abriss (Foto: K. U. Müller)

Abriss der Kirststraße 9a im August 2017 (Foto: K. U. Müller)

Brachfläche in der Kirchstraße 9a im Oktober 2017 (Foto: K. U. Müller)

Austauschbare Baukisten, hier z.B. in der Baslerstraße (Foto: K. U. Müller)




Kahlschlag vor der Volksbank am Hauptbahnhof

Am Freitagmorgen (10.11.2017) beim Frühstück schreckte uns alle ein (erstaunlich kritischer) BZ-Artikel auf: Fast 50 Bäume sollen in den nächsten zwei Wochen bei der Volksbank am Hauptbahnhof gefällt werden. Siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/fuer-die-neue-volksbank-sollen-47-baeume-fallen–144788925.html. Die Nachricht hat nicht nur bei der Freiburger Bevölkerung für Entsetzen gesorgt, sie scheint auch die Stadträte im Bauausschuss des Gemeinderats aufgeschreckt zu haben.

Unser Vorstandsmitglied Ulrich Glaubitz hat dazu einen Appell geschrieben, den wir hier gerne veröffentlichen möchten:

„Schreiten Sie ein, Herr Salomon, stoppen Sie endlich das ignorante Absägen von Stadtbäumen in Freiburg sonst sägen wir an Ihrem Stuhl. Spätestens am 22. April 2018… Abwahl ist möglich, Herr Oberbürgermeister!“

FL-Vorstandsmitglied Ulrich Glaubitz

So oder ähnlich müssten doch Tausende in Freiburg jetzt twittern. Zumindest wir von FL sollten das tun. Die allgemeine Trägheit darf nicht auf uns abfärben. Wir sollten jede Gelegenheit wahrnehmen, die Diskrepanz von grünem Anspruch und politischer Wirklichkeit anzuprangern, in der das politische Grün längst verwelkt ist. Freiburg leistet sich hochkarätige Fachleute für das Thema Nachhaltigkeit. Wenn aber ein Investor Platz braucht, damit die LKWs auf seine Baustelle fahren können, dann genehmigt die Verwaltung sogar das Fällen von eigentlich durch die Baumschutzverordnung geschützten Bäumen. Herr Uekermann sieht “keine andere Möglichkeit”. Die Verwaltung spürt natürlich auch den Widerspruch und entblödet sich nicht, zu versuchen, den Skandal durch die PR-Sprachregelung “Baumstillegungen” zu verbrämen. Für wie blöde müssen die uns eigentlich halten?

Für ein Plakat würde sich das Thema gut eignen: Salomon hoch oben sitzend auf so einem XXL-Stuhl (so einem wie vor dem entspr. Möbelhaus), schaut uninteressiert in die Ferne der Freiburger Silhouette, die aber ständig durch umstürzende Bäume und bekannte Gebäude unterbrochen wird. Unten im Vordergrund sieht man das Wahlvolk, aus dessen Menge ein riesiges Kettensägenblatt der Marke “22.04.2018” ragt, das schon bei der Hälfte eines Stuhlbeins angekommen ist.

Zwei zentrale Forderungen sollten mit dem Thema verknüpft werden:

1.)Wir brauchen dringend ein unabhängiges Gartenamt zum Schutz der städtischen grünen Natur. Wir haben zu oft zusehen müssen, wie Tiefbauer das Sagen haben und die grüne Natur den Kürzeren zieht.

2.) Die Baumschutzverordnung. Es müssen weitgehend die in der jetzigen Fassung enthaltenen Ausnahmen eliminiert werden. Wenn ein erhaltenswerter Baum von einem Sachverständigen als geschädigt und als Verkehrsrisiko bezeichnet wird, dann muss ein Zweitgutachten von einem unabhängigen Sachverständigen eingeholt werden. Vor dem Fällen müssen alle Alternativen sorgfältigst geprüft sein.“

Ulrich Glaubitz