Entsetzen über Abriss einer Villa in der Wiehre

Abriss der Villa in der Silberbachstr. 25 (Foto: K.-U. Müller)

Mit blankem Entsetzen und großer Fassungslosigkeit haben Anwohner und Bürger reagiert und uns geschrieben, die beobachten müssen, wie in der Wiehe sang- und klanglos intakte Villen abgerissen werden. So gerade geschehen in der Silberbachstraße 25, wo eine alten, durchaus denkmalwürdige Villa in einwandfreiem Zustand gerade abgerissen wird.  Gleichzeitig wird in der Erwinstraße ein ebenfalls denkmalwürdiges Gebäude zum Abriss freigegeben, um einem modernen Komplex Platz zu machen, den selbst die Stadtverwaltung dort für ungeeignet hält (siehe: https://freiburg-lebenswert.de/buergerinitative-fuer-erhalt-der-erwinstr-15/). Und das alles nur weil man nicht bereit ist, die Gebäude rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen (vgl. https://freiburg-lebenswert.de/fl-stellt-plaene-zur-novellierung-des-dschg-in-bw-vor/).

Zum Abriss freigegeben: eine intakten Villa in der Silberbachstr. 25 (Foto: K.-U. Müller)

Abriss der intakten Villa in der Silberbachstr. 25 (Foto: K.-U. Müller)

Wir möchten hier aus dem Schreiben eines Anwohners zitieren:

“Mit großem Entsetzen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass wieder einmal in der Wiehre eine alte Villa abgerissen wird. Offensichtlich war auch dieses Haus nicht denkmalgeschützt (wie schon 2011 eine abgerissene Villa in der Silberburgstraße). Die Hiobsbotschaften in der Wiehre scheinen derzeit nicht abzureißen: So will die Stadt nun die schlechte Architektur in der Erwinstraße genehmigen. Wohl der gleiche Investor, der in der Erwinstraße sein Unwesen treiben wird, will auch die spätbarocken Häuser in der Schwarzwaldstraße beim Gasthof Schützen abreißen.

Dass in der “grünen” Stadt Bauen auf Teufel komm raus praktiziert wird, ist schlimm genug. Dass aber nicht wenigstens ein Stadtteil, der sich zu den schönsten Deutschlands zählen darf, vor der Bau- und Abrisswut der Investoren geschützt wird, ist beschämend. Wir Bürger sehen uns einer beispiellosen Verantwortungslosigkeit seitens der Stadt ausgesetzt und müssen hilflos zusehen wie unser schöner Stadtteil immer mehr zum Selbstbedienungsladen für Investoren verkommt.

Mir stellen sich vor allem folgende Fragen:  Offensichtlich sind viele Altbauten in der Wiehre gar nicht denkmalgeschützt. Warum unterliegen/unterlagen die betroffenen Häuser in der Silberbach-, Erwin- und Schwarzwaldstraße nicht dem Denkmalschutz? Zwar wissen wir, dass dies in Freiburg auch keinen besonderen Schutz bietet (Ratsstüble), eine Hürde mehr müsste der Investor jedoch nehmen. Und:  Warum hält eine Stadt sogar seltene spätbarocke Gebäude nicht für schützenswert und gibt diese ohne Not dem Abriss preis?

Ich habe dieses Trauerspiel ebenfalls dokumentiert. Die Fotos dürfen Sie gerne zur Dokumentation dieser neuerlichen Stadtbildzerstörung verwenden.”

Ein anderer Anwohner hat uns ebenfalls informiert und dazu Fragen gestellt, die wir gerne an die Stadt weitergeben möchten:

“Mit erschrecken müssen wir schmerzlich erfahren, dass in unserer Nachbarschaft ein schönes Gebäude (erhaltenswert) dem Abriss freigegeben wurde. Mir stellen sich folgende Fragen:  Ist der Bürgerverein über den Abriss informiert worden und wenn ja, mit welcher Begründung wurde der Abriss genehmigt? Das Gesamtbild und die geschlossene Einheit, insbesondere bei der Einfahrt vom Lorrettokrankenhaus wird durch einen wahrscheinlich einfallslosen rechtigen Neubau verschandelt. Wer entscheidet diese Maßnahmen ohne Rücksicht auf Ästhetik? Eine Sortierung nach ehrhaltenswerte Baumaterialien findet bei dem Abriss nicht statt. Entspricht dies den Umweltauflagen der Stadt Freiburg?”

Abriss der Villa in der Silberbachstr. 25 (Foto: G. Zimmer)

Abriss der Villa in der Silberbachstr. 25 (Foto: G. Zimmer)

Die erschreckenden und den Charakter ganzer Stadtviertel zerstörenden Ereignisse sollten bei den Freiburgern noch mehr Widerstand gegen die zunehmende Zerstörung ihrer Stadt hervorrufen. Schreiben Sie an den Ober- und Baubürgermeister sowie an die Stadtverwaltung und die Stadträte – vor allem an die der Grünen, der CDU und der Freien Wähler, die der Zerstörung von Gebäuden und der Vernichtung von Grünflächen immer wieder zustimmen, und geben Sie ihrem Entsetzen darüber Ausdruck. Denn leider werden Freiburg Lebenswert und die Fraktion FL/FF immer wieder überstimmt, wenn es um den Erhalt von Gebäuden und  Grünflächen in der Stadt geht.

Die jüngsten Beispiele zeigen einmal mehr, wie dringend die Bemühungen von Freiburg Lebenswert (FL) sind, den Denkmalschutz zu stärken und das Denkmalschutzgesetz (DSchG) in Baden-Württemberg zu novellieren. Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/fl-stellt-plaene-zur-novellierung-des-dschg-in-bw-vor/

Das Haus ist abgerissen und wieder wurde ein charakteristischer Bestandteil des Quartiers zerztört (Foto: M. Managò)




Bürgerinitative für Erhalt der Erwinstr.15

Das Haus in der Erwinstr., Ecke Turnseestr. (Foto: M. Managò)

Offenbar werden die Sommerferien genutzt, um – da alle in Urlaub sind – möglichst ungestört Gebäude abzureißen und vollendete Tatsachen zu schaffen. Wir möchten hier auf eine Petition aufmerksam machen, die eine Bürgerinitiative gestartet hat, die sich für den Erhalt des denkmalwürdigen Hauses in der Erwinstraße 15 (Ecke Turnseestraße, in der Wiehre) einsetzt. Wir hatten schon einmal darüber berichtet: siehe https://freiburg-lebenswert.de/wieder-sind-denkmalwuerdige-gebaeude-in-gefahr/

Gerne zitieren wir hier einen Text der Nachbarschaftsinitiative Erwinstraße-Turnseestraße:

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

obwohl unsere Petition nur im kleinen Kreis bekannt war, haben in nur wenigen Tagen fast 400 Personen unterschrieben. Dafür ganz herzlichen Dank! Die hohe Anzahl an Unterschriften und auch die Kommentare zeigen, dass das Thema vielen Menschen unter den Nägeln brennt.

Leider haben wir zwischenzeitlich erfahren, dass die Stadt Freiburg das Bauvorhaben trotz heftigem Protest genehmigen wird. In der Badischen Zeitung stand dazu ein Artikel, der allerdings an ungünstiger Stelle platziert war und somit vermutlich von vielen Zeitungsleserinnen und -lesern übersehen wurde. Deshalb hier der Link: http://www.badische-zeitung.de/freiburg-sued/genehmigung-wird-erteilt

Wir sind schockiert, enttäuscht und sprachlos, dass rücksichtslose Investoren so viel Macht haben (und bekommen), dass sie aus reiner Profitgier ein ganzes Stadtviertel verunstalten und insbesondere auch das Mikroklima in einem dichtbesiedelten Wohngebiet nachhaltig verändern können.

Wir befürchten, dass weitere Investoren bald auch andere Straßen und Stadtviertel verschandeln und gut erhaltene Häuser aus Gründen der Gewinnmaximierung einfach abgerissen und durch hässliche Neubauten ersetzt werden.

Mit herzlichen Grüßen
Nachbarschaftsinitiative Erwinstraße / Turnseestraße

Gerne können/sollten Sie diese Petition online “unterschreiben”. Siehe: https://www.change.org/p/stadt-freiburg-im-breisgau-nein-zu-baus%C3%BCnden-in-der-wiehre-und-anderswo?source_location=minibar

Die BZ berichtete am 30.12.2016 über das Haus in der Erwinstraße, Ecke Turnseestraße.

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/verzweiflung-im-stadtplanungsamt–131857174.html




Nulltoleranz bei illegalen Graffiti!

 

Illegale Graffitti “zeugen eher von Minderwertigkeitsproblemen denn von künstlerischer Begabung der Schmierfinken” (Foto: Dr. W. Deppert)

2008 wurde im renommierten Fachblatt Science eine Studie veröffentlicht, in der von der Macht von Schmierereien an Hauswänden berichtet wird. Man hatte Flyer an die Lenker von Fahrrädern gehängt und beobachtet, wie viele der Werbezettel auf den Boden geworfen wurden. Waren die Wände sauber, landeten weniger Zettel auf dem Gehweg. Graffiti, extra angebracht, verleiteten hingegen dazu, die Straße mit den Zetteln zu vermüllen.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Die „Theorie der zerbrochenen Fenster“ beschreibt, wie ein vergleichsweise harmloses Phänomen der Unordnung zu völliger Verwahrlosung eines Stadtviertels führen kann. Die Abwärtsspirale beginnt mit ein paar Schmierereien an der Wand, etwas Müll auf dem Boden, einem zerbrochenen Fenster in einem leerstehenden Haus oder an einem stillgelegten Fahrzeug. Zeichen wie diese, so die Theorie, bringen schlechtes Verhalten der Menschen zum Vorschein. Wenn die Umgebung signalisiert, dass sich hier niemand um Recht und Ordnung schert, eskaliert die Situation. Schmierereien werden mehr, die Kriminalität nimmt zu, ganze Viertel verkommen. In einer Art ursächlicher Abfolge seien Unordnung und Kriminalität innerhalb einer Gemeinschaft unentwirrbar miteinander verknüpft.

Daher sollten, um den weiteren Niedergang zu verhindern, Schmierereien an Wänden und Müll auf dem Boden sofort beseitigt, zerbrochene Fenster sofort repariert werden. Ähnliches lässt sich übrigens an Schulen feststellen. Je verwahrloster sie sind, um so weniger zeigen die Schüler Interesse, ihre Schule zu „erhalten“. Auch hier nimmt der Vandalismus rapide ab, wenn die Gebäude saniert und sauber sind. Ein Plädoyer für Schulsanierungen!

Dass legale, künstlerisch wertvolle Graffiti auch positiv wirken können, zeigt sich an dem Haus in der Wiehre. Das dort aufgesprayte vollflächige Fassadenbild mit seinen Blumen- und Tiermotiven erfreut die Passanten. Viele unschöne Mietskasernen in Freiburg könnten so mit legalen Graffiti verschönert werden. Nicht akzeptabel sind jedoch Tags, reine Signaturkürzel, die in großer Zahl auf möglichst vielen Häusern platziert werden und eher von Minderwertigkeitsproblemen denn von künstlerischer Begabung der Schmierfinken zeugen. Einher geht damit ein erheblicher Wertverlust des besprühten Objekts. FL/FF spricht sich daher bei illegalen Graffiti für eine Nulltoleranzstrategie aus.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)
als Beitrag für das “Amtsblatt” von Freiburg

Das offiziell und legal bemalte Haus in der Kirchstraße (Foto: Dr. W. Deppert)




Interfraktionelle Anfrage zur Mühlmattenschule

Folgende interfraktionelle Anfrage haben die im Gemeinderat von Freiburg vertretenen Fraktionen Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) und Unabhängige Listen (UL) am 26. Juli 2017 an Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon und die zustänhdige Bürgermeisterin Gerda Stuchlik gesandt:

“In einem Schreiben an die Gemeinderatsfraktionen bitten Rektorin und Konrektorin der Mühlmattenschule in Freiburg-Hochdorf darum, dass die Stundenerhöhung für die Schulsekretärin, Frau Vennebusch, beibehalten wird und aufgrund von 60 Überstunden, die alleine von Januar bis Juli diesen Jahres angefallen sind. Weiterhin halten wir es für geboten, dass Frau Vennebusch auch während der Sommerferien bezahlt wird.

Die Aufgaben der Schulsekretärin in Hochdorf sind immer vielfältiger geworden, vor allem aufgrund der Zunahme an einzuschulenden Flüchtlingskindern aus der Unterkunft im Gewerbegebiet Hochdorf, aber auch anderen Kindern mit Migrationshintergrund mit nur geringen Deutschkenntnissen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Kinder, die ein Angebot der Schulkindbetreuung wahrnehmen, stetig ansteigt. Frau Vennebusch führt die erforderlichen Gespräche mit den Eltern, die ebenfalls häufig über geringe Deutschkenntnisse verfügen, in Eigenregie durch und entlastet damit die Schulleitung, was für sie natürlich einen erheblichen Arbeitsmehraufwand bedeutet.

Wie wird sich die Schulverwaltung zu diesem Anliegen positionieren? Die unterzeichnenden Fraktionen (FL/FF und UL) sind der Meinung, dass der Bitte der Schulleitung der Mühlmattenschule entsprochen werden sollte und möchten um Umsetzung bitten.”

Siehe hier die Anfrage im Wortlaut (als PDF): Interfraktionelle Anfrage Mühlmattenschule




FL stellt Pläne zur Novellierung des DschG in BW vor

Den Denkmalschutz stärken (Foto: M. Managò)

Die freie, parteiunabhängige Bürgerliste Freiburg Lebenswert (FL) hat sich am 10. Juli mit der Freiburger Landtagsabgeordneten Gabi Rolland getroffen, um ihr das Anliegen einer Novellierung des Denkmalschutzgesetzes vorzustellen. Die FL-Arbeitsgruppe „Stadtbild & Bauen“ hat dazu eine Novellierung des Denkmalschutzgesetzes von Baden-Württemberg vorbereitet und viele Änderungs-Vorschläge ausformuliert.

Ziel ist es, den Denkmalschutz zu stärken, denn der Vergleich  mit anderen Bundesländern macht deutlich, dass das Denkmalschutzgesetz in Baden-Württemberg dringend einer Novellierung bedarf. Denn es hinkt inhaltlich moderneren Gesetzen in anderen Bundesländern, wie in Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, um nur einige anzuführen, hinterher. FL möchte deshalb die Formulierung im Koalitionsvertrag der Stuttgarter Regierungskoalition aufgreifen, in dem es heißt, man wolle den Denkmalschutz „stärken“ und „weiterentwickeln“.

Einige wichtige Punkte, die geändert werden sollten, seien hier kurz erwähnt:

  • Denkmalschutz muss eine öffentliche Angelegenheit sein bzw. werden, wozu mehr Transparenz nötig ist. Alle Gebäude und Quartiere, die unter Denkmalschutz bzw. Ensembleschutz stehen sowie alle Denkmallisten müssen öffentlich einsehbar sein. Das Argument, dies sei wegen Datenschutz nicht möglich, ist nur vorgeschoben, da andere Bundesländer es ja vor- und möglich machen.
  • Das Gesetz sollte verdeutlichen, dass bei den Zumutbarkeitsberechnungen Kosten aufgrund unterlassener Unterhaltung nicht berücksichtigt werden.
  • Die untere Denkmalschutzbehörde muss so ausgestattet sein, dass sie ihrer Aufsichtspflicht nachkommen kann und Eigentümer von Denkmälern, die nicht ausreichend unterhalten werden, zur Denkmalspflege durch Ersatzvornahme zwingen kann. Wer ein Denkmal kauft, sollte sich der besonderen Verantwortung bewusst sein und Interesse und Freude an der Pflege haben. Dafür stellt der Staat ja auch einige finanzielle Anreize zur Verfügung.
  • Die untere Denkmalschutzbehörde muss eine eigenständige Behörde mit ausreichenden Ressourcen ähnlich dem Umweltamt sein, nicht Teil der Baurechtsbehörde, um Interessenskonflikte zu vermeiden.
  • Auch wäre es wünschenswert, dass sich die Beweislast umkehrt: nicht das Denkmalamt muss nachweisen, dass ein Gebäude denkmalwürdig ist, sondern der Eigentümer muss nachweisen, dass sein Gebäude/Anwesen nicht denkmalwürdig ist. Deshalb sollten Gebäude bzw. Anwesen, die älter als 100 Jahre sind, automatisch unter Denkmalschutz stehen. Im Gegenzug müssen Um- und Ausbauten (vor allem im Innern, aber z.B. auch der Einbau von Fenstern/Dachfenstern, Anbau von Aufzügen) in angemessener und dem Gebäude gerecht werdender Form möglich sein.
  • Der Schutz ganzer Straßenzüge und Quartiere („Ensembleschutz“) muss erleichtert werden. Dazu müssen die Hürden gesenkt werden, indem nicht eine vollständige zeitliche Einheitlichkeit der Gebäude verlangt wird. Es muss ausreichen, dass die Mehrheit der Gebäude historisch denkmalwürdig ist und ein Ensemble bilden.
  • Wir denken auch an eine Überprüfung, welche steuerlichen Anreize (z.B. höhere Sonder-AfA) oder finanzielle Unterstützungen noch möglich wären, um den Willen nicht nur bei Liebhabern sondern auch bei Investoren zu erhöhen, ein Baudenkmal zu erhalten.

Eines der ältesten verbliebenen Häuser der Stadt, das Ratsstüble, stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch so lange leer stehen gelassen, bis es angeblich nicht mehr zu retten war.

Freiburg gehört zu den Städten mit einer historischen Altstadt und hat sowohl dort als auch in seinen Stadtteilen schöne Gebäude aus den vergangenen Jahrhunderten und Denkmäler vorzuweisen. Leider verschwinden seit geraumer Zeit, besonders aber in den letzten zehn Jahren, immer mehr dieser schönen alten Bauten und fallen Investoren zum Opfer, die sie abreißen und größere, höhere Neubauten an ihre Stelle setzen, um maximalen Gewinn zu erzielen.

In den letzten zwei Jahren gab es in Freiburg vier wesentliche Objekte/Ensembles, von denen drei unter Denkmalschutz standen und eines unter Denkmalschutz gestellt werden sollte: Das „Ratsstüble“ in der Innenstadt, das „Schwarzwaldhaus“ in der Wintererstraße 28, das durchaus denkmalwürdige „Amerikahaus“ an der Ecke Habsburger-/Wölflinstraße und der Mittelteil des „Dreikönigshauses“ an der Schwarzwaldstraße, dessen Hauptteil (das letzte noch vorhandene barocke Baudenkmal in diesem Quartier) die Stadt nach wie vor beabsichtigt abzureißen. Es lagen/liegen Anträge von Bürgervereinen und politischen Gruppierungen sowie aus der Bevölkerung zum Erhalt dieser Objekte vor. Bei keinem hat der Denkmalschutz obsiegt! Sie wurden/werden alle abgerissen.

Das Haus in der Wintererstraße 28 stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch mit fadenscheinigen Beründungen abgerissen!

Frau Rolland hat sich sehr interessiert gezeigt und angeboten, das Vorhaben zu unterstützen. FL hatte alle MdL aus Freiburg und Umkreis angeschrieben. FL bedauert, dass keiner der anderen Landtagsabgeordneten an dem Austausch teilnehmen konnte und bedankt sich bei Frau Rolland umso mehr für ihr Interesse und Engagement. FL war sich mit Frau Rolland einig, dass Handlungsbedarf besteht und die im Koalitionsvertrag formulierte Stärkung und Weiterentwicklung des Denkmalschutzes dringend notwendig ist.

Denn: Der Denkmalschutz ist eine besondere Art des Umganges mit unserer Geschichte. Denkmale, namentlich Baudenkmale, sind prägend für die Baugeschichte einer Gesellschaft und Zeugnisse ihrer kulturellen Schaffenskraft. Sie sind identitätsstiftend und Ausdruck der Epoche, in der sie entstanden und dürfen nicht der Spekulation zum Opfer fallen.

Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò

Das denkmalgeschützte “Dreikönigshaus” will die Stadtverwaltung abreißen, um eines Tages vielleicht dem Stadttunnel Platz zu machen (Foto: M. Managò).

Das zum Abbruch vorgesehene Haus Schwarzwaldstraße 36 (Foto: J. Scheck)

Proteste gegen den Abriss der denkmalwürdigen Gebäude des ehem. “Gasthaus zu Amerika”.

 




Ruft denn da niemand “Halt!”?

Auf einen beachtenswerten Leserbrief in der Badischen Zeitung (BZ) vom 21. Juli 2017 möchten wir aufmerksam machen: Unter der Überschrift “Ruft denn da niemand ‘Halt’?” beschreibt Ingeborg Lambert-Sennrich aus Badenweiler die Siedlungs- und Bauwut in Freiburg und Umgebung, die mit “renditegetriebener Investorenarchitektur” Stadt- und Dorfbilder zerstört.  Gerne möchten wir einige Passagen aus ihren Leserbriefen zitieren:

“Immer mehr Orte verlieren ihren dörflichen Charakter, und eine ganze Region ist dabei, ihre Identität preiszugeben, mit immer sichtbarer werdenden Symptomen: Abriss Ortsbild und Ortsgeschichte prägender Gebäude, Neubau überdimensionierter, oft unpassender Gebäude im Ortskern im Zuge der eigentlich richtigen Nachverdichtung, Verödung von Ortskernen, auch durch Wegzug des Detailhandels in die Industriegebiete, Ansiedlung riesiger Supermärkte auf der grünen Wiese , Zersiedlung der Landschaft durch Ausweisung immer neuer Bau- und Industriegebiete, (Donut-Effekt), Zusammenwachsen der Orte und industrielle Nutzung der Natur durch Windräder. (…)

Was für ein Verlust! Ruft denn da niemand “Halt!”? Und obwohl einige Stimmen sich erheben gegen den Ausverkauf einer Landschaft, schweigt die Mehrheit. Weil sie gewohnt ist, zu schweigen? Weil sie von dieser Entwicklung profitiert? Man muss sich einmal klarmachen, wie viele Menschen an dem Bauboom verdienen.”

Hier der Leserbrief im Wortlaut: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-68/ruft-denn-da-niemand-halt–139615842.html

In anderem Zusammenhang schrieb Frau Lambert-Sennrich zu Beginn des Jahres: “Liest man die Berichte über die Neujahrsempfänge in unserer Gegend, so geht es nach den Bürgermeistern dorfauf dorfab, pardon stadtauf stadtab, nur noch um Wachstum mit Hilfe der Erschließung weiterer Baugebiete, ohne Rücksicht auf gewachsene Ortsstrukturen, deren Charakter, Charme und Behaglichkeit und ohne Hemmungen vor der Zersiedlung heimatlicher Landschaften.”

Und sie erinnert an ein Beispiel aus Franken, über das wir auf dieser Homepage auch berichtet hatten: “Ein gutes Beispiel für eine andere Art der Ortsentwicklung gibt es in Franken. Dort haben sich sieben Bürgermeister zu der sogenannten “Hofheimer Allianz” zusammengeschlossen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels machen sie sich für eine Ortsentwicklung stark, die ohne das übliche Lockmittel Neubaugebiet auskommt. Im Auftrag der Gemeinden werden Leerstände ermittelt, Besitzer überzeugt, sich von ungenutztem Eigentum zu trennen, potenzielle Käufer erhalten als Anreiz kostenlose Architekturberatung sowie bis zu 10 000 Euro aus der Gemeindekasse für Renovation und Umbau im Ortskern. Mit Erfolg: 230 leerstehende Gebäude konnten so neu belebt und bezogen werden. Im Gegenzug wurden Bauplätze auf der grünen Wiese kassiert.”

Siehe diesen Leserbrief: http://www.badische-zeitung.de/sulzburg/leserbriefe-xvsgbiuax–133618538.html

Und siehe den Bericht auf unserer Homepage: https://freiburg-lebenswert.de/altbausanierung-statt-neubau-und-leerstand/

Seit ihrer Gründung gehört die Wählervereinigung Freiburg Lebenswert zu den Wenigen, die sich gegen den Raubbau an Grünflächen und Natur sowie gegen die Zerstörung des Stadtbildes in Freiburg wehen – leider gegen eine Mehrheit im Gemeinderat, die ausgerechnet von einer Partei  angeführt wird, die sich “Die Grünen” nennt. Es wird Zeit, dass auch in Freiburg mehr Menschen “Halt!” rufen und die Stadt vor der Zerstörung bewahren.




Die falsche Bau- und Klimapolitik in Freiburg

Flächenversiegelungen, Innenverdichtung, die Bebauung von Grünflächen – all das ist Gift für das Klima der Städte. Das weiß mittlerweile jedes Kind, nur leider die Verantwortlichen an der Spitze Freiburgs sowie die sie stützende Koalition aus Grünen, CDU, Freien Wählern und Teilen der SPD im Freiburger Gemeinderat wissen es bis heute nicht. Sie folgen weiter den Zielen, jede mögliche, freie Grünfläche zu bebauen (Rennweg, Wolfswinkel, Zähringer Höhe, Pferdewiese, Dietenbach etc. etc.), Kleingärten zu vernichten (im Stühlinger und wieder in der Diskussion gekommen ist die Wonnhalde) und Wälder zu roden (z.B. im Stadtteil Mooswald).

Ein Projekt der Weltwetterbehörde (WMO) zeigt aber, dass das Klima sich verändern wird. Auch wenn das keine neue Erkenntnis ist, wird von den Klimaexperten beklagt, dass vor allem die Städte dies zu wenig oder gar nicht berücksichtigen. Um zu verdeutlichen, was das in Zukunft heißen könnte, hat die WMO sich etwas einfallen lassen. Wetterberichte aus den großen Städten dieser Welt – für das Jahr 2100. Die Klima-Simulationen zeigen, dass der Klimawandel unseren Städten massiv zusetzen wird. “Summer in the City” heißt diese Kampagne, bei der Wettermoderatoren aus den verschiedensten Ländern alarmierende Ergebnisse aufbereitet haben. Hier das Video, das vom ZDF für Berlin erstellt wurde: https://www.youtube.com/watch?v=OeOkAaKsGrA

ZDF-Beitrag: Sommer der Zukunft

Hier außerdem ein Beitrag des ZDF zum Thema: http://www.heute.de/eine-wmo-kampagne-zum-klimawandel-zeigt-der-sommer-der-zukunft-wird-heiss-47571900.html

Viele Städte haben die Zeichen der Zeit erkannt und bereits Strategien entwickelt, wie sie sich den extremen Bedingungen anpassen wollen und die extreme Bebauung reduzieren können. Nur in Freiburg ist davon leider nichts zu spüren. Hier will man weiter „Bauen auf Teufel komm raus“ und Grünflächen versiegeln. Die sogenannte „Green City“ ist eine reine Worthülse und der grüne Bürgermeister tritt die ursprünglichen Ideale der Grünen mit Füßen.




Perspektivplan: Schöngeredete Mängel und Worthülsen

Der unsägliche “Perspektivplan 2030” war am 11.07.2017 als Top 8 Thema im Gemeinderat. Dazu hat unser Stadtrat und Fraktionsvorsitzende der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF), Dr. Wolf-Dieter Winkler, eine entlarvende Rede gehalten, die wir hier gerne im Wortlaut dokumentieren möchten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich gleich in medias res gehen: die Presseerklärung zum Perspektivplan von letzter Woche ist ein wunderbares Beispiel, wie man mit salbungsvollen Worten Defizite verdecken und Mängel in der Planung schönreden kann. Da ist beispielsweise von „innovativen Lösungen der Siedlungs- und Freiraumentwicklung” die Rede. Was bitte ist innovativ daran, einen Freiraum wie die Dreisamwiesen in Littenweiler, ein beliebtes Naherholungsgebiet, zuzubauen, statt als Freiraum zu erhalten?

Aber auch der Perspektivplan selbst ist gespickt mit seltsamen Phrasen. Ein besonders gelungenes Beispiel für eine Worthülse ist der Begriff „Kapern“. Unter diesem Begriff entwirft die „Green City“ folgende Zukunftsvision: „Straßen werden durch Lärmschutzbebauung gekapert.“

Ok, schauen wir uns dazu mal die zu „kapernde“ Westrandstraße an. Dazu zitiere ich aus den Planungsgrundsätzen der Stadtplanung von 1998. Sie sind beispielsweise im letzten Bürgerblatt von Betzenhausen-Bischofslinde nachzulesen. Bei der damals gerade fertiggestellten Westrandstraße wird die „Einbettung in die Landschaft“ und die „interessanten Sichtbeziehungen im Nah- und Fernbereich“ hervorgehoben. Und weiter: „Durch eine Umfahrung der Stadtteile Mooswald, Lehen, Betzenhausen und Weingarten macht diese Straße eine Verkehrsberuhigung in diesen Wohngebieten überhaupt erst möglich.“ Meine Damen und Herren, aus genau diesen Gründen wurde die angrenzende Waldfläche bereits während der Planung der Westrandstraße 1979 unter Landschaftsschutz gestellt.

Nun sollen diese gerade mal 20 Jahre alten Grundsätze der Stadtplanung obsolet sein. Jetzt gilt auf einmal das Gegenteil. Unter dem Begriff Mooswald-West sollen 11 ha des bisher geschützten Mooswaldes abgeholzt werden und eine „bezahlbare Riegelbebauung“ bis an diese vierspurige Umgehungsstraße heranreichen – sozialer Wohnungsbau als Lärmschutzwand für das dahinterliegende Wohneigentum.

Da wegen der Überbrückung der Elsässerstraße die Westrandstraße in diesem Bereich weitgehend in Hochlage geführt wird, bekommt der damalige Begriff der interessanten Sichtbeziehungen im Nah- und Fernbereich eine ganz neue Bedeutung. Da aus Lärmschutzgründen die Höchstgeschwindigkeit sicher von 80 auf 50 Stundenkilometer runtergesetzt werden wird, haben dann die Berufspendler in aller Ruhe Zeit, eine Sichtbeziehung auf Augenhöhe auch zu den Bewohnern des 2. Und 3. Stocks dieser Häuser beispielsweise bei der Morgentoilette aufbauen zu können.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Oder schauen wir uns mal die Neubauplanungen der Freiburger Stadtbau im Elefantenweg oder und im Metzgergrün an, die ebenfalls mit dem Perspektivplan begründet werden. Sie sind ein Beispiel, wie einfacher, aber äußerst preisgünstiger Wohnraum beseitigt und durch mehr, aber auch teureren Wohnraum ersetzt werden soll. Dabei sind gerade die Häuser im Elefantenweg und im Metzgergrün mit ihren angrenzenden Mietergärten genau das, was eigentlich wohnungspolitisch erstrebenswert sein sollte: Preisgünstige Mieten und eine mögliche Selbstversorgung der Mieter in den Hausgärten mit Obst und Gemüse – mit all ihren Vorteilen auch für die bedrohte Fauna und Flora. Statt dessen werden dank des Perspektivplans im Stühlinger die Kleingärten, die den Bewohnern des dichtbesiedelten Stadtteils Naherholung und Selbstversorgung bisher in unmittelbarer Umgebung ermöglichten, durch noch mehr Wohnungen ersetzt werden. Und diesen Kleingärtner werden nun Gärten im weit entfernten St. Georgen bzw. Hochdorf angeboten. Das sind aber Flächen, die wiederum den Freiburger Landwirten entzogen werden müssen. Damit wird langsam aber sicher eine Versorgung der Freiburger Bürgerschaft mit regionalen Lebensmitteln verunmöglicht. Und die immer größer werdende Entfernung zwischen den Wohnungen der Kleingärtner und ihren Gärten führt dazu, dass immer mehr statt weniger motorisierter Individual-Verkehr erzeugt wird. Oder glauben Sie allen Ernstes, dass die Kleingärtner, oftmals Senioren oder Familien mit Kleinkindern, mehrere Kilometer mit dem Rad bis zu ihren Gärten zurücklegen werden? Oder glauben Sie allen Ernstes, dass sich die Kleingärtner mit ihren verdreckten Arbeitsklamotten und ihren Körben voll geerntetem Gemüse in eine Straßenbahn oder einen Bus setzen werden? Das sollen innovative Lösungen der Siedlungs- und Freiraumentwicklung sein? Diese Lösungen sind nicht innovativ, sondern absurd, um nicht zu sagen lächerlich!

Besonders anmaßend ist der Satz in der Pressemitteilung, dass die erhobenen Bestandsanalysen und Handlungsempfehlungen des Perspektivplans eine Argumentationsgrundlage bei kontroversen Diskussionen sein sollen und sie versachlichen sollen. Meine Damen und Herren, damit wird schon mal vorab allen Kritikern des Perspektivplans unterstellt, sie seien in ihrer Argumentation unsachlich. Und die Macher des Perspektivplans stellen sich selbst damit ein Sachlichkeits-Zeugnis aus, das sie selbst unangreifbar macht. Das ist schon der Gipfel der Anmaßung!

Nein, hier gilt mein Ceterum Censeo: Dieser Perspektivplan ist kein Plan für eine nachhaltige, grüne Entwicklung Freiburgs, sondern einzig und allein ein Bauflächenakquirierungsplan. Teure Bauflächen werden aufgrund einer völlig verfehlten Ansiedlungspolitik in erster Linie betuchten Zuzüglern von außen angeboten. Die deutschlandweiten und sogar international getätigten Werbeanzeigen für den Immobilienkauf als Geldanlage in Freiburg sprechen eine beredte Sprache. Und für die weniger finanzkräftigen Bevölkerungsschichten Freiburgs bleiben dann die „gekaperten Flächen“ übrig, bei denen sie die wichtige Aufgabe des Lärmschutzes für die neuen finanzkräftigen Eigentümer übernehmen dürfen.

Und zu der angeblich hervorragenden Bürgerbeteiligung erreichte uns ja die Mail von der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine (AFB), in der man sich verwundert, um nicht zu sagen verärgert zeigt, dass die Bürger das Papier nicht nochmals in seiner Endfassung zu sehen bekommen haben – nach der aufwändigen Vorarbeit, dem Engagement und dem Zeitaufwand der Beteiligten. Ähnliche Vorwürfe kamen u.a. vom Bürgerverein Mooswald im Zusammenhang mit dem Rahmenkonzept für diesen Stadtteil. Da muss man sich schon fragen, ob der „Leitfaden für Bürgerbeteiligung“ wirklich so befolgt wird, wie man sich das wünschen würde.

Meine Damen und Herren, Sprechblasen wie „Die Stadt weiter entwickeln, Freiburg bleiben“, „Die Struktur der Stadt von Morgen entwerfen“, „Flächensparende Siedlungsentwicklung“ oder „Die Stadt als Ganzes ins Visier nehmen“ sollen nur eines übertünchen: Dass mit diesem sogenannten Perspektivplan die Stadt zu Lasten ihres bisherigen Flairs komplett umgekrempelt werden soll. Und zwar nicht zu ihrem Vorteil, sondern zu ihrem Nachteil. Die Maxime des Bauens in Freiburg ist Schnelligkeit und Quantität statt Nachhaltigkeit und Qualität! Wir werden einer solchen Zukunftsperspektive Freiburgs nicht zustimmen.

Und noch ein Wort zu dem heutigen Antrag [von SPD und JPG]. Wenn es im Perspektivplan Stellen gibt, wo man sagt, das könnte man mittragen wie z.B. das Freiraumkonzept der Wonnhalde, dann kommt prompt ein Antrag von einigen Fraktionen, die auch hier noch Wohnbebauung für sinnvoll halten. Meine Damen und Herren, die Wonnhalde ist ein Naherholungsgebiet für alle Freiburger, egal ob sie in Landwasser, Weingarten, Herdern oder in der Wiehre wohnen. Wenn Sie diese Flächen auch noch zubauen wollen, dann bin ich mal gespannt auf die Reaktionen aus der Freiburger Bevölkerung.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)




Zum städtebaulichen Rahmenkonzept Mooswald

Am 11.07.2017 stand als Top 14 auch das Thema “Städtebauliches Rahmenkonzept ‘Stadtteil Mooswald’ (Drucksache G-17/110)” auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Dazu hat unsere Stadträtin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF), Gerlinde Schrempp, sehr sachlich und mit guten Argumenten versehen, folgende Rede gehalten, die wir hier gerne im Wortlaut dokumentieren möchten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

wie bekannt ist, war die Fraktion FL/FF Fraktion Mitunterzeichner des interfraktionellen Ergänzungsantrages, die beiden Gebiete um das Eisstadion und das Gewerbegebiet Mooswald in den Beschlussantrag aufzunehmen, den die Verwaltung, wie wir eben hören konnten, jetzt übernimmt. Die Frage bleibt aber: Warum erst jetzt? Die Begründung zu diesem Ergänzungsantrag liegt vor und muss nicht wiederholt werden. Hier sind beachtliche Potenziale zur Innenentwicklung vorhanden, die nicht mit einem weiteren Flächen- oder gar Landschaftsverbrauch einhergehen.

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)

Meine Fraktion stimmt auch weitgehend den geplanten Umstrukturierungen im Stadtteil Mooswald zu. Es geht um die Elsässer Straße Nordwest, die Stadtteilmitte,  Elsässer Straße Südost mit Aufdingerweg, Elefantenweg und Funkerkaserne. Zusammen mit den bereits fertiggestellten oder laufenden Bauvorhaben im Stadtteil sind dann über 1.500 Wohnungen in den vergangenen drei Jahren realisiert und das ist mehr als genug für einen Stadtteil mit gerade 6.000, bald aber 10.000  Einwohnern. Selbstverständlich muss über Geschosshöhe vor allem im Bereich Elsässer Straße Nordwest noch gesprochen werden, aber wir sind zuversichtlich, dass in diesem Bereich verträgliche Maßnahmen erreicht werden können. Man kann also feststellen, dass sich die Mooswälder Bürgerschaft keineswegs gegen Neubebauung stellt, allerdings muss auch von der Verwaltung zugegeben werden, dass hier bisher schon überproportional zur Bauflächenentwicklung beigetragen wurde.

Ein absolutes Nein von unserer Seite zum von ProWo geplanten „Neuen Stadtquartier Mooswald-West“. Der Verlust der beiden Waldflächen an der Oberen Lache und dem Rehwinkel ist nicht hinnehmbar. Seine Bedeutung für die Anwohner als Naherholungsgebiet, aber auch was Lärmschutz, Klimaveränderung, Natur- und Artenschutz angeht, ist allein schon durch seine Einstufung als Landschaftsschutzgebiet festgehalten. Daher begrüßen wir auch sehr den Änderungsantrag von Frau Dr. von Savigny und Frau Vogel von der Fraktion UL.  Die Infrastruktur des Stadtteiles lässt ein derartiges überproportionales Wachstum nicht zu. Dieses Wachstum ist ungesund, wer will denn schon im Geschosswohnungsbau an einer der meist befahrenen Straße Freiburgs leben? Wie oben beschrieben, gibt es genügend Alternativen, siehe dazu auch die beiden Gebiete um das Eisstadion und das Gewerbegebiet.

Es ist völlig unverständlich, dass bisher die Verwaltung – die das selbst gewählte Etikett der Green City regelmäßig zu Werbezwecken hervorhebt – die Waldflächen gegen den erklärten Willen der Bevölkerung, nicht nur im Stadtteil Mooswald, und gegen jede Vernunft abholzen will, anstatt das sinnvoll weiterzuentwickeln, was vorhanden ist und was verträglich wäre.

Solange die beiden Waldflächen an der Paduaallee/Granadaallee zur Disposition stehen, lehnen wir den Rahmenplan Mooswald, so wie er vorliegt, ab.

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)

Der betroffene Mooswald heute

Fotomontage des Bürgervereins mit neuer Bebauung im Mooswald




Bebauungsplan “Sonnhalde Süd”

Postkartenblick auf Freiburg, der nun bald zubebaut sein wird: die Pferdewiese (Foto: K. Langosch)

Sehr zu begrüßen ist die Absicht der Stadt, für das ganze Gebiet südlich der Sonnhalde einen Bebauungsplan aufzustellen, da ein Bauvorhaben in der Sonnhalde 13 offenbar alle Dimensionen einer verträglichen Bebauung sprengen würde. Dies kommt den langjährigen Forderungen von Bürgerverein und Freiburg Lebenswert sehr entgegen und wird deshalb von diesen ausdrücklich unterstützt – auch wenn es für die Pferdewiese und andere, bereit erfolgte, massive Bebauungen in diesem Bereich (v. a. am Neubergweg)  leider zu spät kommt.

Dennoch hat die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) folgende Anfrage nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen zum Thema “Bebauungsplan Sonnhalde 13” am 5. Juli 2017 an den  Oberbürgermeister und Bau-Bürgermeister von Freiburg gestellt:

Am 29.6.2017 wurde im öffentlichen Teil des Bau- und Umlegungsausschuss unter TOP 3 die Aufstellung des Bebauungsplans “Sonnhalde Süd” mit örtlichen Bauvorschriften beschlossen. Grund hierfür ist ein für das Grundstück Sonnhalde 13 eingereichter Bauantrag, der den Charakter der Sonnhalde als Wohngebiet deutlich negativ verändern würde. Als Konsequenz dieses Beschlusses soll der Bauantrag zurückgestellt werden.

Wir waren jedoch verwundert darüber, dass die „Sonnhalde 13“ im nichtöffentlichen Teil des Bau- und Umlegungsausschusses unter Verschiedenes ohne konkrete Angaben nochmals thematisiert wurde, weshalb wir folgende Fragen stellen:
1. Wie ist der Stand der Verhandlungen mit dem Bauträger?
2. Gibt es aktuelle Pläne? Wenn ja, so möchten wir um Einsicht bitten.

Hier der Antrag im Wortlaut (PDF):  Sonnhalde 13

Es handelt sich um dieses Areal in Herdern:

Siehe dazu die im öffentlichen Teil der Sitzung des Bauausschusses behandelte Beschlusvorlage “Bebauungsplan ‘Sonnhalde Süd’ mit örtlichen Bauvorschriften, Plan-Nr. 2-116 (Herdern)”: Bebauungplan-Vorhaben Sonnhalde Süd

Hier die Antwort der Stadtverwaltung vom 17.08.2017 auf die o.g. Anfrage: 20170810_FL_FF_Sonnhalde_13