Denkmalschutz ist der Umgang mit Geschichte

Das
Das “Gasthaus zu Amerika” (Auszug aus: Plan von Lerch, 1852)

Zur Berichterstattung im “Stadtkurier” (siehe unten) über den drohenden Abriss des “Wirtshauses zu Amerika” sowie zum Kommentar unter der Rubrik “Klartext” (Ausgabe vom 19. Februar 2015) sind danach folgende beiden Zuschriften erschienen:

„Denkmalschutz ist der Umgang mit Geschichte und ihrer Wertigkeit und ist Identität stiftend. Dazu gehört namentlich auch die Baugeschichte. Und Baugeschichte kann regelmäßig nur dann tatsächlich wahrgenommen werden, wenn man die Gebäude erhält oder sogar rekonstruiert, wie ich neulich mit einem Polen diskutiert habe, dessen Landsleute mit einem großen Aufwand an handwerklicher Kunst und mit viel Herz alte Städte wiederherstellt haben. Oder nehmen wir Dresden: die Semperoper wurde rekonstruiert, die Brühlsche Terrasse oder gar die Frauenkirche.

Baugeschichte ist immer zugleich Ausdruck des „Lebensgefühls“ und damit Ausdruck des „Zeitgeistes“ einer Epoche. (…) Das kann eine wie auch immer geartete „Tafelmitteilung“ nicht im Entferntesten liefern. Die Geschichte ist das Wurzelwerk der Menschheit. Und in einem solchen Wurzelwerk gibt es natürlich tragende und auch weniger tragende und ebenso Wurzeln, die man gar nicht gerne hat. (…) Und was heißt „schön“? Weil wir im Westen äußerst wenige bauliche Erinnerungen haben, sollte mit den Wenigen behutsam umgegangen werden.

Denkmalschutz bedarf des Herzens und des Verstandes! Und es ist eine wichtige und verantwortungsvolle Angelegenheit, die nach einer dauerhaften Fürsprache verlangt! Es ist schon zu viel unter die Räder gekommen!“

Dr.-Ing. Dieter Kroll, Freiburg

„(…) Das Haus ist mit Fug und Recht das älteste Gebäude in der ganzen Habsburgerstraße mit sehr viel ursprünglicher Substanz. „Freiburg Lebenswert“ ist nicht gegen jede Neubebauung, sondern will vor allem billigen Wohnraum und denkmalwürdige Gebäude erhalten, die man durchaus sinnvoll renovieren kann. Forum Neuburg ist (…) eine Interessengemeinschaft, die sich um den (nicht offiziellen) Stadtteil Neuburg kümmern will. Zuständig für die Habsburgerstraße ist der Bürgerverein Herdern, der ebenfalls, wie die ARGE Stadtbild, das Gebäude erhalten will. Insofern gibt es viel mehr Institutionen, die gegen einen Abriss sind.“

Hans Sigmund, Ehrenvorsitzender des Bürgervereins Herdern e.V

Stadtkurier_19_02_2015Beitrag im “Stadtkurier” vom 19.02.2015

Zur Info hier der Brief des “Forum Neuburg” zum geplanten Abriss des “Gasthaus zu Amerika” sowie die weiteren dazu erschienen Artikel in der Presse: Brief_wg_Haus_zu_Amerika_und_Presseschau

 




Salomon gegen Landesregierung

Unser aller OB Salomon hat sich in der FAZ abwertend zu Bürgerinitiativen geäußert: ihr Protest sei “alt, häufig verbittert und oft böse”. Mit dieser harschen Äußerung will er unterstreichen, was er von der, von der grün-roten Landesregierung beschlossenen Absenkung des Quorums für Bürgerentscheide, hält: nämlich nichts.

Der OB  räumt zwar ein, dass man ohne Bürgerbeteiligung in unseren Städten nicht weiterkommt, empfindet aber andererseits die politisch Engagierten, die in Bürgerinitiativen gerne ihren Sachverstand und ihr Engagement einbringen wollen, als lästig. Ministerpräsident Kretschmann hat ihm dafür in seiner Aschermittwochsrede die Leviten gelesen und festgestellt, dass der Herr OB eben nur nicht reinreden lassen will.

Die interessierten Bürger wollen sich aber nun mal gerne direkt einmischen und nicht über ein „Beziehungsgeflecht“ der Parteien. Wenn das von gewählten Politikern als Nachteil empfunden wird, bestätigen sich die üblichen Vorurteile: „die da oben machen doch nur, was sie wollen“, was zu ergänzen ist: „und wollen dabei auch noch ihre Ruhe haben“.




Stadtrat Winkler: “Wir hatten die Fakten”

In der Badischen Zeitung (BZ) ist ein längeres Interview mit dem Stadtrat von Freiburg Lebenswert (FL) und Fraktionsvorsitzenden von “Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF), Dr. Wolf-Dieter Winkler, erschienen. Es geht darin noch einmal in einer Rückblende um den Wahlkampf zum Bürgerentscheid um den Stadionneubau für den SC, um die beleidigenden Entgleisungen von OB Dieter Salomon sowie um die Arbeit im Gemeinderat.

Siehe: Interview in der Badischen Zeitung

So sagt Dr. Wolf-Dieter Winkler zum Beispiel in der BZ: “Wir haben uns gegründet, weil in Freiburg die großen Parteien und die Freien Wähler meist einer Meinung sind. Wir haben eine andere Meinung, gerade auch zur Wohnungspolitik. Da wird uns immer vorgeworfen, wir wollten Mauern um die Stadt ziehen – das ist völliger Quatsch. Wir fordern ein moderates Wachstum. (…) Wir als Stadträte sind doch gewählt, uns um die Belange der Freiburger Bevölkerung zu kümmern und nicht für Leute aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf Wohnungen zu schaffen, die diese als Renditeobjekte brauchen. (…)

Man muss Anreize schaffen, aber nicht in Freiburg, sondern in Halle oder Cottbus. Baubürgermeister Haag hat mehrere Prognosen für Freiburg gezeigt. Während das Amt für Statistik einen steilen Anstieg der Bevölkerung bis 2030 vorhersagt, sieht das Statistische Landesamt demnächst eine Sättigungskurve. Diesen Unterschied hat er damit erklärt, dass das Landesamt das geplante Baugebiet Dietenbach nicht berücksichtigt habe. Kurzum: Freiburg wächst, weil es baut.”

Interview_mit_WD_Winkler_in_der_BZInterview in der Badische Zeitung vom 18. Februar 2015




Kretschmann liest Salomon die Leviten

Kretschmann_Aschermittwochsrede_2015In seiner Rede zum politischen Aschermittwoch am 18. Februar 2015 hat sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann auch zu dem von der Landesregierung vorbereiteten Gesetz zur Erleichterung von Bürgentscheiden  geäußert. Er sieht dieses Gesetz als notwendigen an Beitrag für mehr Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie. Dies hat Freiburgs OB Dieter Salomon sofort energisch kritisiert, was nun Kretschmann wiederum veranlasst hat, ihm dafür in seiner Aschermittwochsrede “die Leviten zu lesen”.

Aber hören Sie selbst cen Ausschnitt Kretschmanns Rede:
https://www.youtube.com/watch?v=TxpU83kQqfs
Die Passagen um die es geht finden sie ab Minute 28.45 bis 37.47 und dann noch einmal am Ende bei 52.42 bis 53.42.

Dort heißt es am Ende: “Wir machen eine Politik des Anhörens auch weiterhin, auch wenn das anstrengend ist und auch wenn es manchmal auf die Nerven geht (…), denn wir können nicht an einem Tag das Ehrenamt loben mit seiner großen Engagiertheit, aber wenn dieselben Leute mal aufmüpfig sind und ihnen was nicht passt, dann wollen wir von ihnen nichts wissen, das ist nicht unser Kurs. Wir wollen sie alle mitnehmen, wir haben ja unser Mandat von ihnen…”.




Debatten-Niveau und demokratische Reife

Immer wieder sorgen die Herabwürdigungen des politischen Gegners durch OB Dieter Salomon für Diskussionen. So auch jetzt sein Nachtreten nach dem Bürgerentscheid. Das zeigen zahlreiche Leserbriefe in der Badische Zeitung sowie empörte E-Mails, die uns erreichen. Viele Bürger beschweren sich über den arroganten und überheblichen Stil, den der OB gegenüber Kritikern an den Tag legt. Ulrich Glaubitz, 2. Vorsitzender von Freiburg Lebenswert, hat folgende Antwort formuliert und einen aktuellen Bezug als „Blick über den Tellerrand“ hergestellt:

Liebe Mitglieder von FL, liebe Mitbürger,

angesichts der aktuellen Polemik, bei der wir von FL, insbesondere aber die Mitglieder unserer FL/FF-Fraktion als Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten bezeichnet werden stehe ich persönlich auf dem Standpunkt, dass wir nicht unbedingt nur empört sein sollten. Vielmehr halte ich die Tatsache, dass der OB sich auf so niedriges Debatten-Niveau begibt, für ein Zeichen von Schwäche. Sowohl des bürgermeisterlichen Charakterkostüms wie auch der demokratischen Reife. Eine Sachopposition wie die von FL unter Beweis gestellte war er offensichtlich nicht gewohnt und er kann damit sichtlich schwer umgehen. Ich sehe das als Ermunterung, auf dem von uns beschrittenen Weg weiterzumachen und immer auch scheinbar unumstößliche Wahrheiten lieber probeweise umzuwerfen als gehorsam nachzubeten. Und immer die Grundlage einer guten Demokratie im Blick zu behalten: Transparenz, regelmäßige qualitätsvolle Information und faire Debatten.

Kleiner Blick über den Tellerrand: So macht es auch Helmut Dinter, der Bürgermeister von Wessobrunn: Statt einzuknicken vor den Erwartungen der übergeordneten Exekutivorgane macht er sie in der Öffentlichkeit bekannt. Ein sehr lesenswerter taz-Artikel (siehe folgende Abbildung) über Einschüchterungsversuche im Vorfeld des G-7-Gipfels auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen. So einen Bürgermeister wünscht man sich.

Mit freundlichen Grüßen,
Euer/Ihr

Ulrich Glaubitz

Guelle_gegen_Demonstranten_taz_10.02.2015Zum Vergrößern: Bitte auf das Bild klicken!




Perspektivplan Freiburg

Teilnehmer am Workshop Perspektivplan Freiburg
Teilnehmer am Workshop Perspektivplan Freiburg

Auch zahlreiche Mitglieder von Freiburg Lebenswert engagierten sich bei der 2. „Dialogveranstaltung“ am 2.2.15 im Paulussaal bei der Entwicklung des Perspektivplanes der Stadt Freiburg. Dieses stadtplanerische Instrument soll mit Hilfe externer Experten und Bürgerbeteiligung einen „Kompass für die  Stadtentwicklung“ bis 2016 erarbeiten.

In Referaten von Baubürgermeister Prof. Haag und dem Leiter des Stadtplanungsamtes Roland Jerusalem, gefolgt von externen Architekten sowie Stadtplanern aus Frankfurt und Hannover wurde das Konzept des Perspektivplans vorgestellt. Freiburg wachse, man müsse und wolle neue Wohnungen bauen, sich aber an einem übergeordneten Konzept orientieren. Zunächst gehe es um eine Bestandsaufname: Was macht Freiburg aus, was ist die Identität der Stadt, wo kann/soll die Stadt sich noch entwickeln, welche Freiräume müssen geschützt werden?

Siehe den Bericht von Dr. Kerstin Langosch.

Mehr Infos unter: www.perspektivplan-freiburg.de

Teilnahme_am_Perspektivplan_2




Ignoranz aller Fraktionen – außer FL/FF

Große Aufmerksamkeit hat der “offene Brief” der Einzelhändler der Initiative WIR in der Freiburger Öffentlichkeit erzeugt. Allerdings nicht bei den Fraktionen im Gemeinderat. Einzige Ausnahme: Die Fraktion “Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF)”, die unmittelbar nach der Veröffentlichung des offenen Briefes großen Verständnis für die Anliegen der Einzelhändler gezeigt und zum Ausdruck gebracht hat. Siehe: Pressemitteilung von FL/FF.

Nun schrieben die Einzelhändler der WIR-Initiative einen Brief an die Fraktionen im Gemeinderat. Darin heißt es: “Außer von der Initiative „Freiburg Lebenswert“ haben wir keinerlei Rückmeldungen bekommen. Der Runde Tisch war für uns sehr ernüchternd. In keiner Sekunde hatten wir das Gefühl, dass das Gesagte angekommen ist.”

Ist Freiburg Lebenswert/Für Freiburg denn tatsächlich die einzige Fraktion, die sich der überheblichen Ignoranz und Arroganz des OB nicht anschließt? Sind wir denn wirklich die Einzigen, die den Appell der Einzelhändler, gemeinsame Lösungen für die offensichtlichen Probleme in der Innenstadt zu suchen, im Gemeinderat unterstützen?

Siehe: Brief von WIR an die Fraktionen im Gemeinderat




OB reagiert auf offenen Brief von “WIR” arrogant und überheblich

Pressemitteilung der Fraktion FL/FF
zum Offenen Brief der WIR-Initiative vom 5.2.2014

Gestern meldete die Badische Zeitung, dass die Fraktionen verärgert seien über den Offenen Brief von zwei Mitgliedern der „WIR-Die Freiburger Innenstadt e.V.“-Initiative, Sandra Gintaut-Lutz und Uta Plazek. Hiermit stellen wir klar, dass wir von FL/FF keineswegs über diesen Brief verärgert sind oder uns brüskiert fühlen. Ganz im Gegenteil: Als Teilnehmer an dem Runden Tisch können wir die Gründe, die zu dem Offenen Brief geführt haben, sehr gut verstehen.

Die WIR-Initiative hatte sich viel Mühe gegeben, den Eingeladenen zu dem Runden Tisch ihre Situation und mögliche Lösungsvorschläge nahezubringen. Mit einer einleitenden Inszenierung, in der der zuvor leere, ungemütliche Besprechungsraum – während den Geladenen im Vorraum ein alkoholfreier Drink serviert wurde – in ein blumengeschmücktes Ambiente mit Getränken und selbst kreierten Pralinen umgewandelt wurde, versuchte man dem OB, den Stadträten und dem FWTM-Geschäftsführer nahezubringen, dass man mit wenigen Mitteln ebenso auch aus der trostlos wirkenden Innenstadt einen Wohlfühl-Bereich schaffen könnte. Wenn man es denn wollte. Mit einer Power-Point-Präsentation wurden die vielen Schwachstellen (Pinkelecken, überquellende Müllcontainer,…) aufgezeigt. Diese Unwirtlichkeit zusammen mit dem rapide zunehmenden Internet-Verkauf bereitet den Einzelhändlern der Innenstadt inzwischen Existenzängste. Diese Sorgen konnten wir von FL/FF uneingeschränkt nachvollziehen.

Wenn nun im Nachgang diese Präsentation als „Frontalunterricht“ abqualifiziert wird, dann kann man durchaus dagegen halten, dass nicht wenige der Anwesenden – um bei diesem Bild zu bleiben – sich in der Rolle als den „Unterricht störende Schüler“ gefallen haben. Während des Vortrags wurde gefeixt, gelacht,  Smartphones bedient… Dieses Benehmen war einfach nur peinlich! Auch das anschließende belehrende und arrogante Abkanzeln der WIR-Leute durch einige der Anwesenden zeugte von einer nicht hinnehmbaren Respektlosigkeit. Wer so auftritt, braucht sich über einen Offenen Brief nicht zu wundern. Und wieso man den WIR-Initiatoren aufgrund der Art ihrer Vorgehensweise „Ahnungslosigkeit über das Funktionieren von Demokratie“ vorwerfen darf, erschließt sich uns beim besten Willen nicht.

Da der KOD, der sicher einige der angesprochenen Missstände hätte abstellen können, von einer Gemeinderatsmehrheit abgelehnt wurde, muss man notgedrungen andere Lösungswege suchen. Der von WIR vorgeschlagene „Stadtkümmerer“ könnte sicher zu einer ersten Verbesserung in der Innenstadt führen.

Überrascht waren wir, dass bei dem Runden Tisch zutage trat, dass es keinerlei Kontakte der FWTM mit ihren rund 120 Mitarbeitern zu den Einzelhändlern zu geben scheint. Offensichtlich zieht man es bei der FWTM vor, Messen in Shanghai oder San Francisco zu organisieren, statt sich um die Sorgen und Nöte der Freiburger Innenstadthändler zu kümmern. Hier muss nach Meinung von FL/FF dringend dafür gesorgt werden, dass die Prioritäten bei der FWTM künftig anders gewichtet werden.

Eine Innenstadt, die nur noch aus Ramsch- und Billigläden besteht – sollten die Einzelhändler erst mal aufgegeben haben -, zieht keine Touristen mehr an. Das Münster alleine reißt es dann auch nicht mehr raus. Es muss daher klares Ziel der Stadt sein, in einen Dialog mit den Einzelhändlern zu treten, um die von ihnen angesprochenen Probleme gemeinsam zu lösen. Ein beleidigtes Zurückziehen mit dem Hinweis, dass das „Tischtuch zerschnitten“ sei, ist sicher keine adäquate Reaktion.

Siehe dazu:  Offener Brief von WIR e.V. vom 05.02.2015

Bericht im “Freiburger Wochenbericht” vom 05.02.2015:

Artikel im
Artikel im “Freiburger Wochenbericht” vom 05.02.2015




OB Salomon tritt in unanständiger Weise nach

Pressemitteilung vom 03. 02. 2015

„Es ist oft so, dass Bürgerentscheide tiefe Gräben in einer Stadt aufreißen“, sagt der Freiburger Politikwissenschaftler Ulrich Eith. Das sei nun auch in Freiburg so gewesen. Er lobte aber die ersten Reaktionen der Verlierer am Sonntag, wie etwa von der Fraktion Freiburg Lebenswert“, die das Ergebnis akzeptierten. „Das ist politisch sehr erfreulich und spricht für die Reife der demokratischen Kultur in Freiburg.“ – so war es in der Badischen Zeitung (BZ) heute zu lesen.

Nicht so der derzeitige Oberbürgermeister (OB) von Freiburg. Der tritt nun nach, statt die Stadt wieder zu einen, wie es seine Aufgabe als OB aller Bürgerinnen und Bürger Freiburgs wäre. In einem Interview mit Herrn Mauch in der BZ spricht er von „Verschwörungstheorien“ und mangelndem Vertrauen in die Verwaltung. Sein Vorwurf gipfelt in dem unsäglichen Vergleich mit „Pegida ohne Islamophobie“. Die eindeutig unzutreffende und illegitime Keule, Kritiker als „rechtspopulistisch“ zu diffamieren, ist unterste Schublade, zeugt von Mangel an Argumenten und lässt am ehrlichen Willen, Bürgerbeteiligung zu praktizieren, zweifeln. Der in der FAZ schon mal als „Sonnenkönig“ bezeichnete Freiburger OB erkennt eine „rechtspopulistische Denkfigur“ bereits darin, Argumente gegen eine Position der Stadtverwaltung aufzuzählen.

Die diffamierende Reaktion von Herrn Salomon ist ein Schlag ins Gesicht von fast 42%, die beim Bürgerentscheid mit Nein gestimmt haben, was ca. 20% der Wahlberechtigten in Freiburg entspricht. Solches Verhalten ist weder demokratisch, noch entspricht es seinen Aufgaben und Pflichten als Oberbürgermeister aller Freiburger. Es ist vor allem auch unsportlich. Alle echten Sportler müsste das ebenso empören, wie jeden Freiburger Bürger. Wir erwarten, dass der OB sich für seine Entgleisungen gegenüber Freiburg Lebenswert / Für Freiburg entschuldigt und anerkennt, dass wir als basisdemokratisch-liberale Gruppierung das Wahlergebnis natürlich akzeptiert haben und dem SC alles Gute für seine Zukunft wünschen. Umso mehr, da es finanziell nun auch um unsere Zukunft, um die Zukunft der Stadt geht. Nebenbei bemerkt befinden sich auch in unseren Reihen viele SC-Fans und Dauerkarten-Besitzer.

Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de




Quo vadis Freiburg?

Dietenbach_Luftbild
Ein Diskussions-Beitrag zu den Plänen eines neuen Stadtteils Dietenbach  von Dr. Dieter Kroll

Schaut man in die Geschichte der Stadtentwicklung zurück, dann wird man  ein ständiges Anwachsen der Siedlungsbereiche beobachten können. Dabei entstanden und entstehen namentlich in den Entwicklungs- und Schwellenländer städtische Agglomerationen von kaum beherrschbarer Größe: Mexico City. Mumbai, Cairo, in China insbesondere, aber auch in Teilen Europas mit zentralen Siedlungssystem wie beispielsweise Paris und London mit jeweils etwa 12 Millionen Einwohnern.

Dagegen zeichnet sich die Bundesrepublik Deutschland durch ein dezentrales Siedlungssystem aus, das aus Zentralen Orten mit besonders zugewiesenen Aufgaben besteht (siehe Abb.).

Quo_vadis_Freiburg_Abb1Freiburg ist dort als „Großstadt“ und zugleich als „Großstadtregion“ aufgeführt. Dies wird raumplanungstechnisch auch als „Verdichtungsraum“ bezeichnet, das sind Städte und ihre Einzugsbereiche, den Stadtregionen. Dabei ist Stadtentwicklung  nicht mehr nur in den bisherigen administrativen Stadtgrenzen zu verstehen. Dies gilt insbesondere für Großregionen, also auch für Freiburg.

Stadtteil Dietenbach…

In Freiburg schlagen die Wellen hoch: neuer Stadtteil ja oder nein und wo. Die Stadtverwaltung und Teile des Gemeinderates wollen einen neuen Stadtteil: Dietenbach (Gewannname!) zwischen Autobahn und Westrandstraße und in einem Überschwemmungs-gebiet(Weite Teile des für eine Siedlungsentwicklung vorgesehenen Gebietes der Dietenbachniederung liegen ausweislich der aktuellen Hochwassergefahrenkarten des Landes Baden-Württemberg im Überschwemmungsgebiet eines hundert-jährigen sowie in Teilen eines zehnjährigen Hochwasserereignisses (HQ 100 bzw. HQ 10)  und damit in einer formalen Bauverbotszone gem. WasserHaushaltsGesetz (WHG)) ist die Wahl Nr. 1. Und was macht die Stadtverwaltung?

Sie versucht es über ein wasserwirtschaftliches Fachgutachten

Ein großer Teil der Gebietsalternative Dietenbach liegt im Überflutungsbereich eines 10-jährigen Hochwassers, ein noch größerer Teil wird bei einem 100-jährigen Hochwasser überflutet. Dies bedingt, dass dort derzeit ein wasserrechtliches Bauverbot besteht. Die Verwaltung prüft mit Hilfe eines externen Gutachters, ob in Form von Gewässerausbau- und Hochwasserschutzmaßnahmen die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung vom Bauverbot geschaffen werden können.
Die Stadt hat damit Erfahrungen: Stadtteil Landwasser: Gebäude stehen im Grundwasser mit feuchten Kellern (Wer ist schuld daran? Die planende Stadt nicht! So der Oberbürgermeister), Stadtteil Hochdorf entwickelt sich auch in die Richtung! Auch hier trägt der Bürger die Folgen alleine! Und der Gemeinderat oder der Teil des Gemeinderates, der ja diese Bebauungspläne beschlossen hat, trägt natürlich auch keine Verantwortung. Man kann, ohne besondere Fähigkeiten zu mobilisieren, davon ausgehen, dass der Standort Dietenbach nahezu den „Worst Case“ darstellt, auch was die künftige Erschließung angeht. Diese wird vermutlich  auch wieder über die Westrandstraße mit Freiburg-Typischer Groß-Signalanlage geführt und eine zusätzliche Stadtbahnlinie mit Vorrangschaltung beinhalten und so diese Umfahrungsstraße endgültig zur Stopp-and-go-Allee degenerieren (Siehe geplanter Stadionanschluss). Und zur Lärmbelästigung durch Autobahn und Westrandstraße:

Macht man eine schalltechnische Voruntersuchung…

Analyse und Bewertung der Immissionssituation (u.a. Verkehrslärms durch Straßen und Schienen) und Empfehlungen zu Möglichkeiten des Lärmschutzes, um eine bauliche Entwicklung trotz der Emissionsbelastungen gewährleisten zu können.

Quo_vadis_Freiburg_Abb2Übrigens: die blauen Flächen sind Überflutungsflächen!

Und zum Lärm eine Entscheidung des OVG Münster:
Weist ein Bebauungsplan neue Wohngebiete aus, die aufgrund
vorhandener Straßen Lärmbelastungen ausgesetzt sind, die tags und nachts (deutlich) mehr als 10 db (A) über den Orientierungs-werten der DIN 18005 liegen, sind gesunde Wohnverhältnisse nicht schon dann gewahrt, wenn die neue Wohnbebauung passiv (Lärmschutzfenster) geschützt wird (Soziale Lärmschutzwände sind in Freiburg sehr beliebt).

Dr. Dieter Kroll

Eine ausführliche Fassung des hier veröffentlichten Diskussions-Beitrags von Dr. Dieter Kroll (Mitglied im Vorstand von Freiburg Lebenswert)  finden Sie hier:  “Quo vadis Freiburg?” (PDF-Datei)